Wanderwitz plädiert für Arbeitsmigration

Ohne Zuzug von außen sei der Wohlstand nicht zu halten, betont der Ostbeauftragte der Bundesregierung.

Stollberg.

Wer dieser Tage mit Marco Wanderwitz (CDU) ins Gespräch kommt, landet zwangsläufig bei der Bundespolitik. Der hiesige Wahlkreisabgeordnete ist eben nicht nur Mitglied des Bundestages, sondern Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Ostbeauftragter der Bundesregierung. "Zurzeit überwiegt der Staatssekretär", räumt er ein. In Zeiten milliardenschwerer Soforthilfe- und Konjunkturpakete muss diese Personalunion für die östlichen Bundesländer keinesfalls von Nachteil sein.

Wanderwitz versprüht die Zuversicht, mit den Berliner Milliarden wichtige Impulse gesetzt zu haben. "Wir haben die Unterstützungen auch mit Zukunftsthemen verknüpft", betont er. Ob das für die Wirtschaft reichen wird, ist alles andere als ausgemachte Sache. "Die nächsten Wochen werden entscheidend sein", sagt Wanderwitz. Er sei zuletzt oft bei Unternehmern gewesen. Die seien zwar alarmiert, steckten aber keineswegs den Kopf in den Sand. Vieles hänge aber davon ab, wie sich die Wirtschaft welt- und europaweit entwickeln werde. "Die guten Jahre sind vorbei. Wir stehen nach der Wahl 2021 vor einer schwierigen Legislatur", räumt Wanderwitz ein.

Speziell für Sachsen komme es nun darauf an, gut ausgebildete Menschen in den Freistaat zu locken. "Das sind Rückkehrer, Arbeitskräfte aus den westlichen Bundesländern und solche aus Europa und der ganzen Welt", sagt Wanderwitz. Es müsse gelingen, neue Industrien im Osten - Stichwort Wasserstoffstrategie - anzusiedeln. Dafür brauche es die geeigneten Arbeitskräfte. "Die Breite der Gesellschaft muss daher Arbeitszuwanderung mittragen", betont Wanderwitz. "Dafür brauchen wir eine gesellschaftliche Debatte. Aber eines muss klar sein: Lehnen wir Arbeitsmigration ab, werden wir unseren Wohlstand verlieren."

Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie langfristig haben wird, ist noch nicht klar. "Ich hoffe, dass wir ohne echte zweite Welle durchkommen", so Wanderwitz. Immerhin sei aber eine belastbare Infrastruktur aufgebaut worden. Er appelliert zudem an verantwortungsvolle Urlaubsaktivitäten.

Große Hoffnungen setzt er auf die Europäische Ratspräsidentschaft der Bundesrepublik. Schließlich sei die anstehende volkswirtschaftliche Herausforderung nur auf europäischer Ebene zu bewältigen. Auch da wird Wanderwitz nah am inneren Zirkel mitmischen: "Ich habe mir im Haus die Europapolitik gegriffen", sagt er. Sicher keine schlechte Karriereposition für die 2021 beginnende Nach-Merkel-Ära.

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