Warum alte Fußball-Schlappen den Weg ins Museum finden

Bis zum 24. April 2020 ist das Bergbaumuseum Oelsnitz wegen Umbaus geschlossen. Einige Exponate der künftigen Dauerausstellung stellt "Freie Presse" als "Objekt des Monats" vor. Aktuell ist es ein Paar Fußballschuhe.

Oelsnitz.

Man sieht ihnen an, dass sie viele Jahre ihren Dienst getan haben und dabei auch nicht geschont wurden von dem, der sie trug. Das war Heinz Hofmann, ein Fußballspieler, der als Techniker auf allen Positionen glänzte. Hofmann trug das Schuhpaar der Thüringer Sportartikelmarke Germina bis Anfang der 1990er-Jahre. Der Grund, warum die Fußball-Schlappen den Weg ins Bergbaumuseum gefunden haben, liegt im Verein, für den Heinz Hofmann kickte: der SV Neuoelsnitz.

Den Neuoelsnitzer Fußballverein gibt es als solchen nicht mehr - die Abteilung Fußball des SV Neuoelsnitz trat vor sieben Jahren dem VfB Glückauf Oelsnitz bei, der sich seither Oelsnitzer Fußballclub nennt. Aber seine Geschichte hängt eng mit dem Steinkohlenbergbau zusammen, waren doch Werksmitarbeiter dort Mitglieder, erklärt Museumsmitarbeiterin Deborah Weise.


Bereits 1921 wurde in Neuoelsnitz der erste Fußballverein "Rasensport" gegründet, er trainierte am "Sportplatz Schulstraße" und bestritt dort auch seine Spiele. Nach dem Zweiten Weltkrieg trainierte der Verein dann unter dem Namen BSG "Aktivist Karl-Liebknecht" und brachte Talente wie Harald Irmscher - DDR Meister 1970, später Trainer diverser Mannschaften - oder Heiko Gerber - Deutscher Meister 2007 mit dem VfB Stuttgart - hervor, um nur zwei Beispiele zu nennen. Weise: "Die Oelsnitzer Steinkohlenwerke förderten vor allem nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Sportvereine, vor allem die Abteilung Fußball, da in vielen dieser Vereine Werksmitarbeiter tätig waren." Einer der zahlreichen Sammlungsbereiche des Museums bestehe darum aus Zeugnissen der Freizeitgestaltung der Bevölkerung, vor allem auch der Mitarbeiter der hier ansässigen Betriebe, erklärt sie. Darum sei man sehr froh darüber gewesen, dass sich im Jahr 2000 eine Gruppe früherer Neuoelsnitzer Fußballspieler fand, um die Geschichte des Neuoelsnitzer Fußballs aufzuschreiben sowie dessen Zeugnisse zu sammeln und zu bewahren. Die sechs Männer nennen sich die "Sportfreunde Neuoelsnitz", sie trugen laut Deborah Weise inzwischen ein "beachtliches Sammlungskonvolut aus Objekten, vielen Fotos aber auch mehreren Chroniken zur Entwicklung der Vereinsgeschichte sowie einzelner Spieler" zusammen. Vor vier Jahren übergaben sie unter anderem auch die Fußballschuhe von Heinz Hofmann als Dauerleihgabe an das Museum. "Weil das Thema für die Kultur- und Sozialgeschichte des sächsischen Steinkohlenbergbaus von enormer Bedeutung ist, entschlossen sich die ,Sportfreunde Neuoelsnitz' nun, die bisherige Dauerleihgabe des Sammlungskonvoluts als Schenkung an das Museum zu übergeben", erklärt Weise. So werde ein Stück Regionalgeschichte mit der Eröffnung der neuen Dauerschau Einblick in einen weiteren interessanten Aspekt der musealen Arbeit des Bergbaumuseums geben.

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