Wegen steigender Preise immer mehr Dieseldiebe unterwegs

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Im ersten Halbjahr ist die Anzahl der Diebstähle deutlich gestiegen. Meist wird aus Lkw gezapft. Verwertbare Spuren für die Polizei hinterlassen die Täter aber nur selten.

ERZGEBIRGE.

Meist schlagen sie nachts zu. Sie lieben schlecht einsehbare, abgelegene Orte. Die Rede ist von Dieseldieben. Dieses Problem, von dem hauptsächlich Speditionen und Baufirmen betroffen sind, ist latent seit vielen Jahren gegenwärtig. Aktuell hat die Polizei allerdings eine Häufung an derartigen Diebstählen im Erzgebirgskreis festgestellt. Konkret wurden im ersten Halbjahr 16 Fälle aktenkundig. Im Vergleichszeitraum 2021 waren es nur neun. Im Nachbarlandkreis Mittelsachsen ist die Anzahl sogar von sieben Diebstählen im ersten Halbjahr 2021 auf 29 in diesem Jahr gestiegen, sagt Jana Ulbricht von der Polizeidirektion Chemnitz.

Die Tatorte seien oftmals Baustellen, Parkplätze und Firmengelände. Großfahrzeuge wie Lkw oder Baumaschinen seien vom Dieselklau deutlich häufiger betroffen als Pkw. Meistens handele es sich dabei um ein zielgerichtetes Vorgehen der Täter. Teilweise werden geeignete Orte schon vorher ausspioniert, so Ulbricht. Wird ein Dieseldiebstahl festgestellt, gestalte sich die Aufklärung oft schwierig, da kaum Spuren hinterlassen werden. Wenn, dann sind es Reifenspuren. "Denen nachzugehen bringt aber meist nichts", sagt Ulbricht.

Frank Strobel, der Inhaber der Spedition Strobel in Aue-Bad Schlema, hat vor ein paar Jahren Erfahrungen mit Dieselklau machen müssen. "Die Diebe kommen mit speziell ausgerüsteten Kleintransportern, auf denen sich ein großes Fass sowie eine Pumpe befinden. Werden dann 300 Liter abgezapft, ist das bei einem Preis von derzeit zwei Euro je Liter schon ein ganz schöner Schaden", sagt Strobel. Andererseits meint er: "Bei den Preisen braucht man sich darüber auch nicht zu wundern."

Der Dieselpreis ist offenbar tatsächlich der Grund für die Häufung von Diebstählen, wie Martin Bulheller, der Leiter Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung Frankfurt, erläutert: "Die Intensität von Dieseldiebstählen steigt und fällt in etwa mit den Dieselpreisen, die sich seit Ende 2020 verdoppelt haben und nach wie vor auf Rekordniveau verharren."

Traurig für die Betroffenen: "Man kann kaum etwas dagegen tun", meint Silvio Zahn, Geschäftsführer der Baugesellschaft "Am Scheibenberg" mbH. Damit bei einem etwaigen Dieseldiebstahl der Schaden nicht noch höher wird, werden bei vielen Fahrzeugen des Unternehmens die Tankdeckel schon gar nicht mehr abgeschlossen, sagt Zahn. Zum Glück sei seine Firma bislang in diesem Jahr von Dieselklau verschont geblieben. Dafür hatten Diebe vor rund zwei Wochen auf einer Baustelle Kabel gestohlen und einen Bauwagen demoliert.

Peter Weber, der Geschäftsführer der Spedition Weber Hilmersdorf, versucht Dieseldieben dahingehend wenig Anreize zu bieten, indem die Fahrzeuge seiner Spedition, wenn es irgendwie geht, immer auf dem Betriebshof stehen und nicht auf irgendwelchen abgelegenen Plätzen.

Was durch Diebstähle an finanziellen Schaden entsteht, werde bundesweit nicht zentral erfasst, erklärt Martin Bulheller vom Bundesverband. Es müsse jedoch von einer hohen siebenstelligen, wenn nicht sogar achtstelligen Euro-Summe ausgegangen werden. Geld, das in aller Regel die Betroffenen zahlen, denn eine Versicherung etwa gegen Dieseldiebstahl gibt es nicht, so Bulheller. Er empfiehlt, Fahrzeuge nicht abends vollgetankt irgendwo abzustellen, sondern mit dem Volltanken bis kurz vor der Abfahrt zu warten. Zudem sollte auf gut einsehbaren, nachts gut beleuchteten, idealerweise eingezäunten Parkplätzen geparkt werden. "Wo es geht, sollte man seinen Lkw so abstellen, dass sich nachts nicht unbemerkt ein Kleintransporter danebenstellen kann. Beim Feststellen eines Diebstahls sollten Lkw-Fahrer keinesfalls aussteigen und versuchen einzugreifen, sondern, wenn möglich, die Polizei rufen", rät Bulheller.

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