Weibsbilder und Mannsen kämpfen mit List und Tücke

Die Theatergruppe des Musikvereins Neuwürschnitz startet am Samstag in einen Aufführungsmarathon. Im Dreiakter "Im Rothaus is dr Teifel lus" machen die Emanzen von der Frauenliste dem Bürgermeister und den Gemeinderäten das Leben schwer.

Neuwürschnitz.

Die letzte Probe der Theatergruppe des Musikvereins Neuwürschnitz war fast schon eine Vorpremiere: Weil die Karten für die sieben Aufführungen wieder einmal nicht reichten, wurde die Generalprobe zur öffentlichen Probe erklärt. Mehrere Dutzend Interessierte, die leer ausgegangen waren, nutzten diese Möglichkeit. Für die Mimen blieb das nicht ohne Folgen: "Ich bin schon wieder ganz aufgeregt. Ich bin immer aufgeregt, und da ist ganz schnell der Text weg", gab Mario Flemming zu, kurz bevor sich der Vorhang hob.

Der Chef der Theatergruppe ist nicht nur für die Gesamtleitung des Stücks zuständig. Als Bürgermeister Heinz Scheiter hat er auch auf der Bühne den Hut auf. Für die 12 Rollen stehen 13 Mimen parat. Einzige Doppelbesetzung ist die Bürgermeistertochter Anni. In diese Rolle durfte bei der Generalprobe Lydia Stahl schlüpfen. Die 24-Jährige ist neu im Ensemble, doch nicht neu im Metier: "In der Schule habe ich in einer Musicalgruppe mitgespielt und beim Studium habe ich Improvisationstheater gemacht."

Lampenfieber hat die angehende Gymnasiallehrerin trotz dieser acht Jahre Bühnenerfahrung. Die Rolle ist zwar eher klein, aber eben auch Dreh- und Angelpunkt: Die Bürgermeistertochter hat ein gar nicht standesgemäßes Techtelmechtel mit dem Gemeindeinspektor Hannes Klug. Dessen Titel klingt wichtiger als er ist, weiß Darsteller Florian Stahl: "Das ist einfach nur ein Praktikant." Für die Darsteller hat es einen Reiz, das Liebespaar auf der Bühne darzustellen - im echten Leben sind Florian und Lydia miteinander verheiratet.

Beim aktuellen Mundartstück "Im Rothaus is dr Teifel lus" haben die Weibsbilder für die anstehende Gemeinderatswahl eine Frauenliste gebildet, mit der sie ins Rathaus einziehen wollen. Den Mannsen ist das gar nicht recht, und so entspinnt sich ein Kampf, bei dem mit List und Tücke um die Gunst der Wähler gerungen wird. Dieser Geschlechterkampf braucht ein ausgewogenes Ensemble. Sechs Frauen und sechs Männer stehen auf der Bühne. Und so ist Mario Flemming froh, dass einer seiner männlichen Darsteller nach längerer Abstinenz wieder als Mime zur Verfügung steht. Vor etwa zehn Jahren hatte sich Jörg Schubert von der Bühne zurückgezogen. Lediglich die Moderation nach dem Schlussvorhang übernahm er seither. Doch nun wollte er wieder ins Ensemble. "In Oberoelsnitz war es letztes Jahr so schön, dass es mich richtig geruppt hat."

Der von ihm dargestellte Fleischermeister August Scharf ist nicht der hellste Stern am Firmament und soll als Gemeinderat aus dem Amt gedrängt werden. Keine wirklich große Rolle, doch das ist für Jörg Schubert nebensächlich. "Es kommt darauf an, dass ich auch einer kleinen Rolle etwas mitgebe, an das sich die Zuschauer erinnern", sagt er.

Wenn einer der Mimen doch mal den Faden verliert, springt seit Jahren Jana Endler als Souffleuse ein. "Ich staune, dass die Darsteller ihre Texte alle so gut drauf haben. Ich sehe ja alle Aufführungen, aber ich würde gern auch mal im Publikum sitzen." Im Souffleurkasten sitzt sie fürs Publikum unsichtbar in der wirklich allerersten Reihe. Doch das ist kein entspannter Theatergenuss sondern höchste Konzentration. "Ich muss dem Stück immer einen Satz voraus sein."

Etwa 80 Besucher haben das zweieinhalbstündige Stück zur Generalprobe gesehen. Es ist ein Geheimtipp, der sich längst herumgesprochen hat. Annemie Engelmann vom Theaterverein: "Vor ein paar Jahren ging das ganz langsam mit sechs, sieben Zuschauern los."

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