Welche Nummer im Ernstfall wählen: 112 oder 116117?

Welche Rufnummer bei gesundheitlichen Beschwerden die richtige ist, ist für Patienten oft nicht einfach zu unterscheiden. Zwei Ärzte klären auf.

Annaberg-Buchholz.

Welche ist die richtige Nummer bei gesundheitlichen Problemen? Mit dieser Frage hat sich kürzlich die Gesundheitsakademie im Erzgebirgsklinikum beschäftigt. Die Veranstaltung stand unter der Überschrift "Notfall: 112 oder 116117 - Qual der Wahl". Referent war der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I, Dipl.-Med. Sven Spenke. Deutschland verfüge über eines der besten Systeme für die Notfallversorgung von Patienten. Damit diese richtig eingesetzt werden, erläuterte der erfahrene Internist die beiden Möglichkeiten.

Die 112 sei dann zu wählen, wenn lebensbedrohliche Symptome vorliegen, wie Bewusstlosigkeit, starke Herzschmerzen, Schlaganfälle, schwere Störungen des Atmungssystems, Komplikationen während der Schwangerschaft, Vergiftungen oder schwere Unfälle, besonders bei Kindern. Wenn ein Baby vom Wickeltisch fällt, kann das schwere Folgen nach sich ziehen.


Wichtig sei das richtige und rechtzeitige Erkennen von dem Betroffenen oder seiner Angehörigen. Für Sachsen ist eine Hilfsfrist von zwölf Minuten gesetzlich geregelt, die mit der Meldefrist beginnt. Gerade diese ist nicht planbar, weil oft die Zeit bis zum Anruf zu lange ist. Für den Ruf der 112 befindet sich die Integrierte Regionalleitstelle in Chemnitz, die dafür sorgt, dass der Notfallwagen, besetzt mit einem Arzt und Rettungssanitäter, innerhalb der Hilfsfrist beim Patienten ankommt, hieß es. Der Notarzt verschreibe keine Medikamente, bestimme aber die Zielklinik, in der der Patient untergebracht wird.

Chefarzt Spenke, der selbst seit Jahrzehnten als Notarzt unterwegs und Leiter dieses lebensrettenden Teams ist, gab auch einige Anekdoten aus seinem Berufsleben preis. So wurde er zu einem Patienten gerufen, der erst einmal fragte, wer er sei und dann meinte, dass er jetzt den anderen Arzt, den er auch angerufen habe, absagen könne. Besonders in den ländlichen Regionen und bei älteren Menschen herrsche vielerorts Unwissenheit, wie man sich in solchen Situationen verhalten solle. Aufgrund der Überlastung der Notaufnahmen in den Krankenhäusern, in denen immer mehr vergleichsweise leicht erkrankte Menschen Hilfe suchten, reformierte die Kassenärztliche Vereinigung vorigen Sommer den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Nun kommt die Rufnummer 116117 ins Spiel, über deren Bedeutung der Gastreferent Dr. med. Axel Rausendorff, der als Leiter der Bereitschaftspraxis in Annaberg-Buchholz fungiert, sprach. Diese Rufnummer ist bundesweit einheitlich - und sei leider vielen Bürgern nicht bekannt. Die zentrale Vermittlungsstelle für Sachsen wurde in Leipzig eingerichtet, sie ist mit einem Arzt besetzt. Von dort werden die Patienten nach einer ersten Einschätzung an die regionale Bereitschaftspraxis weitergeleitet.

Wann soll diese Rufnummer gewählt werden? Bei allen nicht lebensbedrohlichen Beschwerden wie etwa Brechdurchfall, hohem Fieber, starken Bauchschmerzen oder Befindlichkeiten, bei denen nicht gewartet werden kann, bis der Hausarzt wieder Sprechzeit hat. Dabei könne es schon vorkommen, dass der Patient längere Zeit auf den Arzt warten muss, weil dieser auch von weither kommen kann.

Rausendorff nannte die Reform Fluch und Segen, weil durch diese die regionale Leitstelle abgeschafft wurde. Der Segen bezieht sich auf die Schaffung der Bereitschaftspraxis, die dem Klinikum angekoppelt ist. Annaberg gehört zu einer entsprechenden Modellregion in Sachsen. Beide Ärzte haben eine Vision: Es sollte wieder eine integrierte Leitstelle mit nur einer Rufnummer geben. Doch bis dahin sollte sich jeder Bürger die 112 und 116117, die ohne Vorwahl zu wählen sind, gut einprägen, denn beide können helfen.

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