Weltenbummlerin aus Jahnsdorf ist wieder in der Heimat

Im April 2010 hat sich Silke Möckel per Rad auf den Weg nach Feuerland gemacht. Länger als gedacht blieb sie auf dem südamerikanischen Kontinent - war nur ab und zu urlaubsweise daheim. Jetzt aber hat sie hier einen Job gefunden. Ob sie für immer bleiben wird, ist allerdings noch völlig offen.

Jahnsdorf.

Als Silke Möckel, damals 47-jährig, ihren Heimatort Jahnsdorf per Rad ins rund 3000 Kilometer entfernte spanische Valencia verließ, um von dort per Schiff nach Amerika überzusetzen, hieß ihr Ziel: Feuerland. Maximal fünf Jahre wollte sie unterwegs sein, aber es wurden fast neun, wobei sie zwischenzeitlich auch länger am gleichen Ort blieb, in Chile, Ecuador und Peru beispielsweise. Gerade hat sie wieder einen Ortswechsel hinter sich - Mitte Dezember ist sie in die alte Heimat zurückgekehrt und geht hier jetzt auch einem Job nach: Sie gehört zum Team der der neuen Touristinformation der Region Zwönitztal-Greifensteine.

Sie wüsste für sich gar keinen so richtigen Job in Deutschland, hatte Silke Möckel 2015 auf die Frage nach einer Rückkehr ins Erzgebirge gesagt. Warum nun plötzlich doch? Was hat sie in die alte Heimat gezogen? Die eine Antwort gibt es auf diese Frage nicht, es gibt viele Dinge, die sie nach und nach dazu gebracht haben, sagt sie. Zunächst war das Vorhaben, gemeinsam mit ihrem Freund ein Tourismusunternehmen in Loja in Ecuador aufzubauen, nicht realisierbar. Sie hatten viele Pläne und auch schon Routen und Reiseprogramme parat, scheiterten aber an der dortigen Bürokratie. "Solange ein Unternehmen noch nicht gegründet ist, darf man dort keine Werbung dafür machen", erzählt Silke Möckel. Aber gerade ein Unternehmen, das Reisen verkaufen will, benötige gewissen Vorlauf. Zumal mit der Gründung des Unternehmens sofort und unabhängig davon, ob es Einnahmen gibt, monatlich 400Dollar Steuern fällig werden. "Das war auf Dauer nicht zu schaffen", sagt sie. Sie habe zwar nebenher für andere Reiseanbieter Touren durchgeführt, an der Uni in Loja Tourismusleute ausgebildet und bis zuletzt auch für ein chilenisches Tourismusunternehmen gearbeitet, aber das reichte nicht. "Schließlich haben wir unsere Wohnung aufgegeben, Rodrigo ist zurück in sein Elternhaus gezogen und ich bin nach Peru gegangen." Dort hat sie bei Freunden, die ein kleines Hotel betreiben, gearbeitet. Ihre Beziehung wurde zur Fernbeziehung. Zu diesen Problemen kam hinzu, dass sie ihre beiden Enkel so viele Jahre lang immer nur sporadisch gesehen hat - der Abschied nach einem Familientreffen Ostern 2018 sei ihr und vor allem auch der zehn Jahre alten Enkelin wahnsinnig schwer gefallen. Auch wollte sie gern ihren 80-jährigen Eltern etwas näher sein. Irgendwie habe sich so zunehmend Unzufriedenheit aufgestaut. "Ich habe dort eine Familie und hier, aber nirgends war ich richtig." Schließlich habe sie im Internet die Stellenanzeige gelesen - und bewarb sich. Einem Bewerbungsgespräch per Skype folgte die Anstellung.

Der Schreibtisch-Job ist eine Umstellung für die 56-Jährige, zudem fühlt sie sich noch nicht hier angekommen. Die ersten Schmuddelwetterwochen habe sie auch sehr unter der fehlenden Sonne gelitten, sagt sie. So richtig weiß sie noch nicht, ob die Rückkehr eine Entscheidung für immer ist. Ihr Arbeitsvertrag ist auf drei Jahre befristet. Und dann? "Vielleicht behalte ich die Wohnung im Haus meines Sohnes und agiere von hier aus, fahre aber jedes Jahr in der Saison nach Chile, um als Reiseleiter zu arbeiten", nennt sie eine Option. Eine Rolle wird auch spielen, ob und wann ihr Freund nachkommen kann.


Fast neun Jahre unterwegs

Am 15. April 2010 verließ Silke Möckel Chemnitz, wo sie nach der Kündigung ihrer Wohnung in Jahnsdorf und der Einlagerung ihrer Möbel die letzten Wochen vor der Abfahrt ihr Quartier bei ihrem Sohn aufgeschlagen hatte. Ihr Ziel: Feuerland im Süden Südamerikas. Hintergrund für diese Entscheidung waren Krankheit und persönliche Krise fünf Jahre zuvor. Durch eine Nepalreise hatte sie den Chemnitzer Bergsteiger Jörg Stingl kennengelernt und eine neue Sichtweise aufs Leben für sich entdeckt.

Ihre Radroute führt sie 2010 zunächst nach Spanien, von Madrid fliegt sie nach Vancouver in Kanada. Von dort geht es zunächst nach British Columbia, dann in südliche Richtung nach Amerika. Sie durchquert die USA, dann Mexiko und Belize (früher British Honduras).

In Guatemala macht sie längere Zeit Station und wirkt an einem Schulprojekt mit. Die Fahrt geht weiter durch die zentralamerikanischen Staaten Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama. Mit Kolumbien erreicht Silke Möckel schließlich Südamerika. Länger lebt sie auch in Ecuador und beteiligt sich an Tourismusprojekten. 2013 verlässt sie Ecuador, macht einen längeren Stopp in Peru und zieht dann nach Chile, wo sie fortan für ein Unternehmen als Reiseleiter arbeitet.

2016 macht sie Loja in Ecuador zu ihrem Wohnsitz, wo sie mit ihrem Freund ein eigenes Tourismusunternehmen aufbauen will. (vh)

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