Wenn im Busch von Malawi endlich Wasser sprudelt

Harald Leitl war erneut in Afrika, um ein Hilfsprojekt zu unterstützen. Manchmal gleicht die Arbeit dort allerdings einem Lotteriespiel.

Gablenz/Oberlungwitz.

Harald Leitl ist einiges gewöhnt, sechs oder siebenmal war er seit 2008 in Afrika. So genau weiß er das gar nicht mehr. Doch die jüngste Reise hat ihn geschafft. Erst kürzlich ist der 61-jährige Oberlungwitzer, der in Gablenz das Unternehmen VWL Umweltcentrum für Haustechnik führt, aus Malawi zurückgekehrt. Etwa 400 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, "mitten im Busch", wie Leitl sagt, hat er als Ingenieur zwei Brunnenbohrungen unterstützt. Besonders schlimm war diesmal die Wärme. "Eine Hitze von bis zu 43 Grad im Schatten übertraf alles, was wir bisher erlebt hatten. Jeder Baum, der noch steht, spendet wertvollen Schatten, in dem die Temperaturen dann zehn Grad weniger sind. Leider wird alles abgeholzt, da die Menschen Wasser abkochen und Ziegel brennen." Harald Leitl gibt sich daher bescheiden: "Die Menschen, die dort leben und die dort schon lange helfen, wie das Missionarsehepaar Urschitz, das sind die Helden. Ich bin nur Equipment."

Aber ein entscheidendes. Der Auftrag von Harald Leitl, der unter anderem von seinem 19-jährigen Sohn André begleitet wurde, war es, dass nach erfolgreicher Bohrung die notwendige Technik läuft, vor allem die Elektrik. "Unsere Aufgabe war die Überprüfung der Solarstromanlage des Containers von 2013 und bei den zwei Tiefbrunnen im entlegenen Gebiet die Anschlüsse für die elektrischen Pumpsysteme herzustellen." Gerade diese Tiefbrunnenpumpe sorge immer wieder für Probleme am Zoll, weil sie wirklich wie eine Bombe aussehe. "Die Pumpe ist aber nötig, um den Zugang zu frischem Trinkwasser für die notleidende Bevölkerung zu schaffen."

Harald Leitl unterstützt das Dorfentwicklungsprojekt Ubwenzi der Liebenzeller Mission in Malawi. Ziel der Bohrungen nach Wasser war es, den Dorfbewohnern die acht bis zehn Kilometer Wassertragen zu ersparen. "Dort wird Wasser aus dem trocken Fluss geholt, Löcher werden bis zu zwei Meter tief gekratzt, nur um noch Sickerwasser zu finden." Geplant waren zwei Bohrungen, die bei einer Tiefe von 100 Metern jeweils 9000 Euro kosten. "Nachdem der Bohrer die letzte Bohrstange in den Boden getrieben hatte, kam immer noch nur Staub und trockener Felsenstaub heraus. Die Firma hatte ihr Soll erfüllt und wollte die Bohrung beenden", erinnert sich Leitl. "Als ich die enttäuschten Gesichter der Menschen sah, entschloss ich mich, dem Bohrmeister einen Deal anzubieten: 500 Euro sofort auf die Hand, wenn sie die Bohrung bis auf 120 Meter weiterführen."

Harald Leitl bezeichnet die Aktion als Lotteriespiel, aber es klappte: "Bei 117 Meter kam endlich Wasser aus dem Bohrloch. Es ist zwar nicht sehr viel Wasser, aber es reicht, dieses Dorf und die Umgebung zu versorgen." Die zweite Bohrung brachte schon bei 90 Metern Erfolg.

Für den Zugang zu frischem Wasser sorgen auch Pumpen, die unter anderem eine Firma aus München zur Verfügung stellte. "Dafür kann man nicht oft genug Danke sagen. Auch in Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz gibt es viele Unterstützer für das Projekt", betont Harald Leitl. Das Dorfentwicklungsprogramm sei inzwischen soweit gediehen, dass bereits bis zur achten Klasse Unterricht stattfinden kann. Das helfe, die Menschen langfristiger vor Ort zu halten. Mehr als 100Kinder gehen dort bereits zur Schule.

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