Wesko in Stollberg erweitert sich auf fast das Doppelte

Erst vor fünf Jahren erfolgte der Umzug ins Gewerbegebiet, nun muss bereits mehr Platz her. Doch wer wächst, braucht auch die Leute. Da setzt das mittelständische Unternehmen nicht nur auf das Thema Lohn. Denn Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern erweist sich am Ende als Wettbewerbsvorteil.

Stollberg.

Nicht einmal 20 Jahre nach der Gründung und nur fünf Jahre nach dem Umzug von Oelsnitz ins Stollberger Gewerbegebiet gerät Wesko an seine Kapazitätsgrenze. Das 120 Mitarbeiter starke Unternehmen erweitert sich an der Albert-Schweitzer-Straße, schon in den nächsten Wochen sollen die Bagger anrücken. Ostwärts soll eine neue Halle entstehen, in einem Jahr Bauzeit werden reichlich 2100 Quadratmeter Fläche hinzukommen.

Dass das mal so kommt, hätte Michael Wiesehütter, seit Jahresbeginn einer der beiden Geschäftsführer bei Wesko und zuvor jahrelang Prokurist, vielleicht gehofft, aber niemals gedacht. "Wir werden uns im Bereich Fertigung und Logistik um 80 Prozent erweitern", sagt der 35-Jährige. Im vorigen Jahr stand ein Umsatz von 14 Millionen Euro zu Buche, in den vergangenen Jahren hat Wesko jährlich etwa 15, 16 Prozent zugelegt. Wesko ist im Bereich Kunststofftechnik unterwegs. Neben dem Werkzeug- und Formenbau und der Fertigung von Spritzgussteilen arbeiten die Mitarbeiter auch im Bereich Prüftechnik, stellen Prüfadapter her. "Gerade bei der Entwicklung für Batterieprüfstände werden wir förmlich überrannt", berichtet Michael Wiesehütter. Unter anderem bauen die Stollberger ein Kunststoffteil für das Elektrofahrzeug i3 von BMW, das je nach Ladezustand seine LED-Anzeige verändert. "Ein Produkt, das der Fahrer direkt sieht, wenn er den 'Tankdeckel' zum Laden öffnet", erläutert Wiesehütter. Noch mehr Stollberger Knowhow steckt in diesem Fahrzeug dank einer Baugruppe für die Motorensteuerung.


Die Geschäfte laufen gut. Was Unternehmen wie Wesko nicht gebrauchen können, ist es, keine Leute zu finden. "Alle sprechen von Fachkräftemangel. Doch wir konnten in den letzten Jahren all unsere Stellen besetzen. Ich würde höchstens von einer Verknappung sprechen", sagt Michael Wiesehütter, der sich im Lohngefüge in einer Liga mit Chemnitz und Zwickau sieht. "Das ist unsere Konkurrenz, nicht das Erzgebirge. Ich denke, wir spielen da ganz gut mit." Doch Geld ist nur ein Baustein. "Es geht ums Gesamtpaket." Weiche Faktoren. Flexible Arbeitszeiten. Es gibt eine Weihnachtsfeier und einen Wandertag. Dass die Firma 100 Euro zum Kita-Platz des Kindes vom Mitarbeiter dazu gibt - keine Frage. Ehrenamtliche Feuerwehrleute werden für eine ganze Woche Lehrgang freigestellt. "Es stimmt nicht, dass die junge Generation immer schlechter, dümmer, fauler wird. Aber sie tickt anders. Dafür müssen Unternehmen offen sein", sagt Wiesehütter, selbst Jahrgang 1983. "Sie wollen Wertschätzung. Und nicht ihr Gehirn an der Pforte abgeben. Sie wollen einen Sinn in ihrer Arbeit erkennen." Das geht über Verantwortung. So ist der Ausbilder der Firma gerade mal Mitte 20. "Er spricht deren Sprache." Im Herbst fangen bei Wesko vier Auszubildende und zwei Studenten an.

Hinter diesem Engagement steckt auch ein Stück gesellschaftliche Verantwortung. Die Wirtschaftsförderung Erzgebirge hat vor einigen Jahren ein Projekt mit dem Titel "Corporate Social Responsibility" (deutsch: Gesellschaftliche Verantwortung) angestoßen, bei dem mittlerweile auch die IHK und die Handwerkskammer mitmachen. 1000 Unternehmen, von der Zwölf-Personen-Firma bis zu Größen wie KSG in Gornsdorf und Scherdel in Marienberg, waren seit 2012 dabei, haben sich in mehreren Workshops Anregungen geholt. Auch Wesko. Wiesehütter: "Wir waren in dem Bereich schon aktiv, aber man lernt da ja nie aus. Es geht um die Frage, was wir als Unternehmen für unsere Leute und für die Region tun können." Erst vor einer Woche wurde ein Kollege fürs Umweltmanagement eingestellt.

Als ein Ergebnis dieses Projekts hat Wesko zum Beispiel eine Guthabenkarte eingeführt. "Auf die laden wir bis zu 40 Euro im Monat. Wofür der Mitarbeiter das Geld ausgibt, ist uns schnurz." Man kann das zusätzliche Geld auch bis zu drei Jahre lang ansparen. "Wenig Aufwand für uns, hohe Zufriedenheit beim Mitarbeiter", so Wiesehütter. Denn die Zahlung ist fürs Unternehmen steuerfrei. Sorgt aber für ein gutes Image, das am Ende der Wettbewerbsvorteil bei der Gewinnung und dem Halten von Mitarbeitern sein kann. "Es gibt sie, die guten Leute. Aber man muss ihnen etwas bieten."

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    micky12w
    16.07.2019

    Zunächst vielen Dank für die guten Wünsche @Mike1969. Es ist absolut zutreffend, dass das Thema Arbeitsweg neben dem logistischen nicht zuletzt auch ein kaufmännisches ist. Aktuell arbeiten im Hause WESKO ca. 120 Mitarbeiter, die neben Stollberg und Umgebung bereits jetzt schon aus Chemnitz und Zwickau und darüber hinaus u. a. auch aus Ehrenfriedersdorf, Annaberg-Buchholz, Schwarzenberg, Limbach-Oberfrohna, Drebach, dem Vogtland und sogar aus dem östlichen Thüringen kommen. Der Arbeitsweg scheint sich also zu lohnen ;-) Beste Grüße, Michael Wiesehütter, WESKO GmbH

  • 5
    0
    Mike1969
    16.07.2019

    Es wird natürlich schwer Mitarbeiter aus Chemnitz oder sogar noch aus dem ferneren Zwickau nach Stollberg täglich zu locken. Man investiert hier als Arbeitnehmer mehr Zeit durch die Fahrerei, die auf der A72 auch kein Spaß mehr macht. Das macht man nur für mehr Geld, als was man in Chemnitz oder Zwickau bekommt, da man auch Fahrkosten hat. Und gutes Betriebsklima gibt es in den Firmen in Zwickau und Chemnitz auch. Wenn man da sieht, was z.B. die CEFEG ihren Mitarbeiter bietet. Das Betriebsklima ist hier auch super …. Ich wünsche Euch bei Wesko dennoch viel Erfolg! In jeglicher erdenklichen Art und Weise.



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