Wichtige Errungenschaft im Bergbau wird zu Symbolobjekt

Bis zum 24. April 2020 ist das Bergbaumuseum Oelsnitz wegen Umbaus geschlossen. Einige Exponate der künftigen Dauerausstellung stellt "Freie Presse" als "Objekt des Monats" vor. Aktuell ist es eine spezielle Grubenlampe.

Oelsnitz.

Symbolischer Akt zur "Letzten Schicht" am 5. Januar: Museumschef Jan Färber und Sammlungsleiter Heino Neuber verpacken drei Exponate in eine große Kiste - eine 'Butt' mit Kohlenstücken, eine Ofenkachel sowie eine Grubenlampe. Symbolisch deshalb, weil das Bergbaumuseum wegen der bevorstehenden Sanierung nach diesem Tag geräumt wurde und die Ausstellungsstücke nach und nach im Depot verschwinden. Am 25. April 2020 zur feierlichen Eröffnung des "Schauplatzes Kohle" der 4. Sächsischen Landesausstellung Industriekultur - zugleich die neue Dauerausstellung - werden diese drei Exponate symbolisch wieder ausgepackt. Vor diesem Hintergrund hat Deborah Weise, Projektmitarbeiterin der 4. Sächsischen Landesausstellung, die nunmehr sicher verstaute Acetylen-Sicherheitslampe von 1914, die auf einem Patent Georg Alfred Wiedes beruht, als Objekt des Monats Januar ausgewählt.

"Die Grubenlampe ist neben Schlägel und Eisen eines der markantesten Ausstattungsstücke des Bergmanns", erklärt Weise. Ihre große Bedeutung sei ein Grund gewesen, warum sie als Symbol zur feierlichen "Letzten Schicht" verpackt wurde. "Ein weiterer Grund für die Wahl genau dieser Lampe als Objekt des Monats ist die wichtige technische Errungenschaft, welche diese Lampenart darstellt", erklärt sie.

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Denn seien zu Beginn des hiesigen Steinkohlenbergbaus noch Grubenlampen mit offener Flamme üblich gewesen, so habe man nach dem Grubenunglück von 1879 im Ernst-Julius-Schacht des Zwickauer Reviers die ausschließliche Verwendung von Sicherheitslampen amtlich angeordnet. Denn sie besaß keine offene Flamme. Weise: "Im Steinkohlenbergbau bargen offene Flammen oder das Anzünden von Lampen die Gefahr von Explosionen. Denn beim Abbau der Steinkohle wird das geruchlose, aber leicht entzündbare, Methangas freigesetzt. Ein kleiner Funke genügt, um eine sogenannte Schlagwetterexplosion auszulösen, welche oftmals zahlreiche Todesopfer zur Folge hat."

Nach der Einführung der Sicherheitslampen entwickelten sich schnell unterschiedliche Ausführungen mit diversen Weiterentwicklungen und Verbesserungen, erklärt die Mitarbeiterin. Das ausgewählte Modell sei eine Acetylen-Sicherheitslampe. "Das mittels Karbid und Wasser erzeugte Gas Acetylen hatte im Vergleich zu anderen Brennstoffen eine sehr helle Flamme, die allerdings auch große Hitze erzeugte." Die Neuerung beim Patent Wiede waren die Rippenkühler über dem Glaszylinder. Das für seine gute Wärmeleitfähigkeit bekannte Aluminium verhinderte, dass sich der obere Teil der Lampe durch die Acetylenflamme zu stark erhitze.

Georg Alfred Wiede (1864-1925) war der Sohn einer wohlhabenden Bockwaer Familie. Er hatte in Freiberg Bergbau studiert und war ab 1889 Bergdirektor der Gewerkschaft Morgenstern in Reinsdorf bei Zwickau. Wiede trug mit zahlreichen Erfindungen dazu bei, die Arbeit unter Tage zu verbessern.

Wenn die Sicherheitslampe im April 2020 wieder ausgepackt worden ist, nimmt sie einen Platz in der umfangreichen Lampensammlung des Bergbaumuseums ein, kündigt die Projektmitarbeiterin an.

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