Wie das Erzgebirge um Heimkehrer wirbt

Viele Firmen finden nur noch schwer Mitarbeiter. Mit einer eignen Jobbörse will die Region gegensteuern. Jetzt sagt der Chef der Arbeitsagentur: Die Löhne müssen steigen.

Stollberg.

Die Arbeitslosenzahl im Erzgebirgskreis sinkt und sinkt. Im Mai ist sie erstmals unter die 10.000-Marke gerutscht. Das hat die Agentur für Arbeit gestern in Aue mitgeteilt. Demnach sind aktuell 9745 Menschen arbeitslos gemeldet, 5,4 Prozent oder 554 Menschen weniger als einen Monat zuvor. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Das schafft neue Probleme.

Weil die Wirtschaft brummt, finden viele Firmen in der Region nur noch schwer neue Mitarbeiter. Um Pendler und potenzielle Heimkehrer zu umgarnen, setzen die Unternehmen im Erzgebirge auf ein eigenständiges Fachkräfteportal, das jetzt komplett überarbeitet wurde. "Auch wenn es viele Leute nicht wahrhaben wollen, aber ohne Zuzug werden wir unser wirtschaftliches Niveau in Zukunft nicht halten können", sagt Jan Kammerl von der Wirtschaftsförderung Erzgebirge, der das Portal betreut. Fachkräfte fehlten schon heute an allen Ecken und Enden.


Fast 250 Unternehmen nutzen die Seite fachkraefte-erzgebirge.de; im Durchschnitt wird sie jeden Tag von 1500 Menschen angeklickt. Mehr als 850 offene Stellen und Ausbildungsplätze werden in der Jobbörse aktuell angeboten. "Und der Bedarf der Unternehmen nimmt weiter zu", sagt Kammerl. Seit Start der Seite im Jahr 2008 seien 6000 Arbeitsplätze vermittelt worden.

Der Erzgebirgskreis mit fast 350.000 Einwohnern hat laut Arbeitsagentur mit derzeit 5,5 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote im Freistaat. Den Spitzenplatz teilt sich die Region mit Plauen und Pirna. Agentur-Chef Siegfried Bäumler spricht angesichts der neusten Zahlen von einem Rekord. Vor zehn Jahren seien noch dreimal so viele Menschen arbeitslos gewesen. "Und der Trend ist weiter rückläufig." Das verschärfe den Engpass bei den Fachkräften. "Es gibt inzwischen einen Bedarf in allen Branchen."

Bei der Suche nach Arbeitskräften soll das Onlineportal helfen - es ist ein Projekt der Fachkräfteallianz Erzgebirge, ein Bündnis aus zwölf Institutionen vom Jobcenter bis zur Industrie- und Gewerbevereinigung Aue. Mit dem Neustart der Seite vor wenigen Tagen hat sich diese nicht nur optisch verändert. Jobsuchende können sich nun auch über neue Stellen, die den eigenen Wünschen entsprechen, per E-Mail informieren lassen.

Jürgen Arendt gehört zu den Unternehmern, die regelmäßig über das Portal nach Mitarbeitern suchen. Bis vor zwei oder drei Jahren seien pro Monat im Schnitt zehn Bewerbungen in seiner Elterleiner Spedition eingegangen. "Heute gehen wir auf die Leute zu und fahren auswärts zum Vorstellungstermin", berichtet er. Das Logistikunternehmen mit 100 Mitarbeitern suche derzeit Kraftfahrer und Staplerfahrer, ebenso Mechatroniker.

Mehrere Jobs inseriert hat auch die Firma Turck aus Beierfeld. Zwar gebe es keinen generellen Fachkräftemangel, sagt Personalchef Falk Höhn, aber im technischen Bereich habe sich die Situation verschärft. "Inzwischen dauert die Bewerbersuche bis zu sechs Monaten." Um Projektingenieure und Maschinenbediener zu finden, setzt die Firma für Elektronikfertigung auf kreative Lösungen. Empfiehlt einer der gut 500 Beschäftigten einen Bekannten für einen offenen Posten und wird dieser eingestellt, erhält der Mitarbeiter eine Geldprämie als Belohnung.

Agentur-Chef Bäumler nennt Geld ein wichtiges Thema. "Man kann noch so intensiv um Heimkehrer werben. Wenn ein Arbeitnehmer 500 Euro weniger verdient als im Sachsenschnitt, kommt keiner zurück", sagt er. "Da hilft nur ein Umdenken der Arbeitgeber." (mit dpa)

Ein Fachkräfteportal mit Stellenanzeigen und Ratgeber bietet auch die "Freie Presse" im Netz:

meinjob.freiepresse.de

 

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