Wie der Naturschutz Ost- und Westdeutsche verbindet

Seit 30 Jahren arbeiten Vereine aus Thalheim und dem bayrischen Otterfing zusammen. Mit dieser Kooperation sind sie nun bei einem Bundeswettbewerb ins Rennen gegangen - und haben 10.000 Euro gewonnen. Was fangen sie mit dem Geld an?

Thalheim.

Als alles begann, waren die Wälder kaputt, und die Zwönitz war ein totes Gewässer. So beschreibt Jürgen Brunner den Zustand der Umwelt kurz nach der Wende. Brunner, der heute zum Vorstand des Naturschutzvereins Zwönitztal (NVZ) gehört, wollte das ändern. Schnell fand er Menschen in der Region, die wie er dachten. Und er knüpfte Kontakte mit Naturschützern im bayrischen Otterfing. "Sie wollten uns helfen. Die Chemie hat gestimmt" erzählt Brunner.

Das ist nun 30 Jahre her. In der Zwönitz schwimmen heute wieder Fische. Und aus der Partnerschaft, die Anfang der 1990er gegründet wurde, ist eine stabile Freundschaft geworden. Auch im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat die Ost-West- Kooperation Eindruck hinterlassen. Beim Wettbewerb "Machen! 2020" haben der NVZ und die Bund-Ortsgruppe Otterfing den dritten Platz belegt. Dafür gab's 10.000 Euro.

Mit dem Geld sollen 30 neue Bäume gepflanzt werden. In Bayern. Und in Thalheim. Dort, an der Stadtbadstraße, kümmern sich Mitglieder des NVZ und der Thalheimer Bund-Ortsgruppe seit Jahren um eine vier Hektar große Wiese. Die Fläche war früher eine Viehweide. Heute wachsen dort Weißdorn und Bäume, die alte Apfel- und Birnensorten tragen. Die Naturschützer ernten selbst und stellen Saft her, der normalerweise auf dem Weihnachtsmarkt verkauft wird.

Ihre Freunde in Bayern haben sich unter anderem darum bemüht, einen Fichtenforst in einen nachhaltigen Wald umzubauen. Alle zwei Jahre haben sich die Otterfinger und die Thalheimer gegenseitig besucht. In Bayern ist man begeistert von der Entwicklung, die Thalheim in den vergangenen Jahrzehnten hingelegt hat. "Da steigt uns fast der Neid ins Gesicht", sagt Günter Schneider, der sich in der Otterfing-Gruppe als stellvertretender Vorstand engagiert. "Die Kooperation mit Thalheim empfinde ich als ein einmaliges Geschenk."

Mit der Betreuung der Wiese an der Stadtbadstraße haben die Thalheimer viel zu tun. Sie mähen das Gras, räumen Äste weg und manchmal den Müll, der dort landet. Derzeit wird versucht, weitere Pflanzensorten zu etablieren. Wiesenpflockenblumen. Wilde Möhren. Ehe sich die Sorten auf der Wiese verbreiten, werden bis zu 15 Jahre vergehen. Doch was lange wächst, wird endlich gut. Darauf kann man sich bei den Naturschützern verlassen.

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