Wohnungssuche wird immer schwieriger

Vor allem Hilfeempfänger haben in der Region öfter Probleme, angemessene Wohnungen zu finden. Der Staat finanziert nur bestimmte Größen, die aber rar sind. Eine Falle, wie Schuldnerberater zunehmend feststellen. Doch sie können helfen, wenn es schon zu spät scheint.

Stollberg.

Sandra Krauß kennt Schicksale. Die von den schmerzhaften Trennungen, vom Verlust der Arbeit, vom tiefen Fall in die Sucht. Vor allem aber ist es das lange Verschweigen vor dem Rest der Familie, das Hoffen, dass man noch die Kurve kriegt, das Betroffene ihr in der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie in Stollberg verraten. "Oft stecken hinter den Schulden viele Probleme, die nur lange überlagert wurden. Die Menschen kommen erst zu uns, wenn nichts mehr geht." Dabei muss das gar nicht sein.

Diese Woche hatten die Schuldnerberatungen von Diakonie und Caritas zur Aktionswoche aufgerufen. Um ein Thema aus dem Tabubereich zu holen, das dort nicht hingehört. Denn dass einem die Verbindlichkeiten über den Kopf wachsen, kann jedem passieren. Klischees hat Sandra Krauß in 16 Jahren bei der Schuldnerberatung widerlegen können. "Zu uns kam zum Beispiel eine Frau, die 15 Jahre arbeitslos war. Dann hatte sie endlich etwas gefunden und war damit so beschäftigt, dass ihr entgangen war, die Miete zu überweisen. Bis dahin hatte das Jobcenter diese statt an sie selbst direkt an den Vermieter überwiesen." Bei der Schuldnerberatung der Diakonie Annaberg-Stollberg arbeiten vier Berater. Sie betreuen im Jahr 600 Menschen dauerhaft, wobei jeweils etwa 180 neu hinzukommen.


Eine Gefahr, dass es mit dem Geld eng werden könnte, birgt der Wohnungsmarkt. Zwar befürchtet Sandra Krauß für die Region keine solch steigenden Mieten wie in den Großstädten derzeit. Aktuell liegt die durchschnittliche Kaltmiete in Stollberg bei 5,30 Euro pro Quadratmeter. Doch gerade jene, die Hartz IV beziehen und denen das Amt nur eine bestimmte Größe der Wohnung und Höhe der Miete zahlt, geraten immer häufiger in Schwierigkeiten. "Denn die wenigsten Wohnungen entsprechen den Kriterien", sagt die 41-jährige Beraterin. Folge: Die Betroffenen zahlen die Differenz von dem Posten, von dem sie eigentlich ihr Leben finanzieren sollen. Das ist gefährlich. "Einen Wohnkostenanteil von 30 Prozent im Verhältnis zum Einkommen schafft einen stabilen Haushalt. Kippt das Verhältnis aber, zum Beispiel alleinstehende Rentner mit einer geringen Rente von 700 bis 900 Euro sehe ich da in Gefahr, besteht ein erhöhtes Risiko für Schulden", so Sandra Krauß. Darüber hinaus sei es quasi unmöglich, eine behindertengerechte Wohnung für Menschen mit wenig Einkommen über Grundsicherung finanziert zu bekommen.

Sandra Krauß und ihre Kollegin in Stollberg haben inzwischen erreicht, dass die großen Vermieter in der Region einen Flyer der Schuldnerberatung in den Brief legen, wenn sie Mahnungen wegen Mietrückständen verschicken. Wer dann in ihrer Beratung landet, geht mit der Sozialarbeiterin quasi sein Leben durch. Wo sind Verbindlichkeiten, was muss zuerst bedient werden? "Viele Leute sind sehr motiviert, ihre Schulden abzubauen. Aber wir sagen dann: Es muss auch was zum Leben bleiben." Als letztes Mittel kommt die Privatinsolvenz infrage, in der sich der Schuldner über sechs Jahre bewähren muss. Bei allem müssen die Betroffenen aber mitziehen. Krauß: "Wir können sie auf diesem Weg lediglich begleiten."

Wer Hilfe braucht, erreicht die Schuldnerberatung in der Stollberger Herrenstraße unter Ruf 037296929824 oder per E-Mail an schulden-stl.Diakonie-ERZ@evlks.de. Dienstags von 13 bis 18 Uhr ist freie Sprechstunde.

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