Was die Dürre mit Tieren und Pflanzen macht

Fische bekommen bei hohen Temperaturen Stress, Torfmoose vertrocknen. Schmetterlinge profitieren dagegen von dem Wetter.

Zschopau/Marienberg.

Seit einem halben Jahr hält die Trockenheit an, nun ist noch eine Hitzewelle dazugekommen. Das Wetter verändert biologische Rhythmen. Laub verfärbt sich und fällt schon im August. Wegen des ungewöhnlich warmen Frühlings blühten Anfang Juni Pflanzen, die das sonst erst im Sommer tun. Das Phänomen, woran sich die Menschen zunächst erfreuten, dürfte sich für Insekten im Spätsommer und Herbst als problematisch erweisen. Für sie könnte es dann nicht mehr genug Nahrung geben, befürchtet Kay Meister vom Naturschutzverein Natura Miriquidica. So seien Distelbestände, die während ihrer Blüte zahlreiche Insekten anlocken, schon verblüht.

Im Natzschungtal zwischen Rübenau und Rothenthal ist der Biologe auf ausgetrocknete Bachläufe und vertrocknete Torfmoosbestände gestoßen. "Allerdings sind diese Arten resistenter gegen Trockenheit als jene Torfmoose, die direkt im Moor wachsen", fügt der ehrenamtliche Naturschutzhelfer aus Rübenau hinzu.

Die Dürre führt zugleich zu einem Umstand, der Kleingärtner freuen dürfte. So fehlt von der Spanischen Wegschnecke, die gern in Gemüsebeeten schlemmt, so gut wie jede Spur. Die eingeschleppte Art (Neozon) ist eigentlich resistenter gegen Trockenheit als ihr einheimischer Doppelgänger. Doch in diesem Jahr scheint das Wetter dem Neozon arg zuzusetzen. Seit der großen Plage 2007 ist die Schnecke sonst auch in den höheren Gebirgslagen präsent. Demgegenüber begünstigen Wärme und Trockenheit die Entwicklung von Schmetterlingen. Meister spricht von einem "tollen Schmetterlingsjahr" und extrem vielen Sichtungen. "Sogar seltene Arten wie den Aurorafalter habe ich erstmals in Rübenau gesehen."

Für den Rhein befürchten Fischereiexperten derweil eine Wiederholung des Fischsterbens von 2003. In jenem Hitzesommer war fast die ganze Äschenpopulation zugrunde gegangen. Die Rheintemperatur überschreitet an manchen Orten inzwischen die 25-Grad-Marke. "Auch unsere Fischzuchtanlage an der Freiberger Mulde hat mit hohen Temperaturen zu kämpfen. Passiert ist aber noch nichts", sagt Lutz Kannegießer vom Anglerverband Südsachsen Mulde/Elster. Der Verband bemüht sich dort, Laichfischbestände der Äsche aufzubauen und in die Mittelläufe der Gebirgsflüsse einzusetzen. Die Gewässerabschnitte gelten seit jeher als Äschenregion, in denen die Art als Leitfisch auftritt. Inzwischen ist die Art stark gefährdet und in ihrem Bestand extrem zurückgegangen. Die Freiberger Mulde weist laut Kannegießer eine Temperatur von 22 bis 23 Grad Celsius auf.

Neben hohen Wassertemperaturen bereitet auch Niedrigwasser Probleme. Die Pegelmessstelle an der Flöha in Borstendorf zeigt einen Wasserstand von 40 Zentimetern an. An der Zschopau in Hopfgarten sind es 29 Zentimeter.

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