Zum Wochenende : Alte an die Macht

Alt, das ist ein relativer Begriff, aber wenn heute über Politik und Gesellschaft geredet wird, hört man Urteile von erstaunlicher Absolutheit: Die Alten haben das Klima vermasselt. Die Alten sind politisch unkorrekt. Die Alten sind schuld am Brexit. So klingt das dann.

Vielleicht rührt diese Abwertung auch daher, dass man vergessen hat, älteren Bürgern zuzuhören. Die Stadt Thalheim könnte bald ein Gegenbeispiel liefern. Bürgermeister Nico Dittmann will einen Seniorenbeirat gründen, einen Stadtsenat für Menschen ab 65. Und zwar nicht nur aus Respekt. Auch um zu lernen, denn Dittmann weiß, dass ältere Menschen Dinge und Zusammenhänge in der Stadt erkennen, die jüngere Menschen (wie Dittmann) nicht sehen. Einwohner, die sich berufen fühlen, in einem Seniorenbeirat mitzuwirken, können am Dienstag, 17. September, 9 Uhr in den Ratssaal kommen.


In der Thalheimer Verwaltung hat man festgestellt, dass die Hälfte der Mitarbeiter jünger als 39 ist. Die Stadträte sind im Durchschnitt 45. In Thalheim leben aber knapp 2000 Menschen, die 65 Jahre und älter sind - jeder dritte Einwohner. Der Seniorenbeirat wäre also ein wichtiges Sprachrohr.

Doch dabei darf es nicht bleiben. Was in dem Gremium besprochen wird, muss sich auch in der Praxis widerspiegeln. Dass es funktionieren kann, beweisen die Kinderbürgermeisterinnen, die seit Dezember im Amt sind. Sie konnten bereits bei der Planung eines Spielplatzes helfen. Die Stadt macht deutlich, dass die Kinder gebraucht werden - auch noch in 50 Jahren, wenn sie selbst alt sind.

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