Zum Wochenende : Die zweite Chance

Es gibt Bewährungsstrafen und Bewährungshelfer, etliche Ausbildungshilfen im Knast, Wiedereinstiegsprogramme und Beratungsangebote für die, die die Haft verlassen. Die deutsche Justiz gibt Übeltätern gerne eine zweite Chance. Das ist auch gut so. Laut einer Erhebung des Bundesjustizministeriums von vor wenigen Jahren bleiben zwei von drei Verurteilten innerhalb von drei Jahren geläutert auf freiem Fuß. Die Kehrseite: Ein ganzes Drittel versteht das mit der zweiten Chance aber irgendwie falsch - kaum draußen, sind sie wieder aktiv. Und wieder. Und wieder.

Dies passiert auch in der Region. Wie bei dem 56-Jährigen, der ein Jahr ins Gefängnis muss, weil er widerrechtliche Handwerksverträge an Haustüren abgeschlossen, die Vorauszahlung eingesteckt und sich aus dem Staub gemacht hat. Dabei wurde er schon drei Mal wegen der gleichen Betrugsmasche verurteilt. Zweiter Fall: Ein Mann wurde wegen einer Drogenplantage hops genommen. Zuvor saß er schon mal in Haft, auch damals baute er eine Drogenplantage auf, in Burkhardtsdorf. Drittes Beispiel: Erinnert sei an den Mann, der in Stollberg Wohnungen ausraubte, bis ein Stollberger ihn auf frischer Tat ertappte. Das ist erst wenige Jahre her. Das Vorstrafenregister des Kleinkriminellen war lang - und meist hatte er auch da wahllos aus Wohnungen geklaut.


In solchen Fällen ist die Geduld der Öffentlichkeit arg strapaziert. Niemand wünscht sich Zeiten zurück, in denen Kriminelle nur weggesperrt und sich selbst überlassen wurden - um später draußen ohne Bindung an die Gesellschaft wieder rückfällig zu werden. Auch amerikanische Verhältnisse bitte nicht: Dort sind Gefängnisse oft privat - hier gilt vor allem, die Zellen möglichst oft und dauerhaft zu füllen. Das kann nicht unser Ansatz sein.

Das Bundesjustizministerium schreibt aber auch: Binnen neun Jahren liegt die Rückfallquote bei 48 Prozent - leichter Anstieg über die Jahre inklusive. Ab und zu sollten unsere Richter deshalb im Rahmen des Strafmaßes einfach härter urteilen. Ansonsten nimmt keiner mehr die zweite Chance ernst, wenn es ja noch eine dritte oder vierte gibt.

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