Zum Wochenende : Einigende Adresse

Die Große Kreisstadt Stollberg hat vier freiwillige Feuerwehren, aber keinen Stadtwehrleiter mehr. Nach dem Rücktritt von Knut Liebe, der den ehrenamtlichen Job aus Zeitgründen auch nur kommissarisch für ein halbes Jahr vom ebenso zurückgetretenen Vorgänger übernommen hat, steht nun erneut ein großes personelles Fragezeichen im Raum - sonst nichts. Und: Die verwaiste Stelle wird wohl eine bleiben - bisher wollte jedenfalls kein anderer Kamerad einspringen.

Das Problem: Das Brandschutz-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzgesetz schreibt vor, dass es einen Stadtwehrleiter geben solle. Das andere Problem: Ein Stadtwehrleiter hat zwar einen Berg an Aufgaben, soll diesen aber ehrenamtlich mit hohem Zeitaufwand abarbeiten. Das ist gerade bei größeren Städten wie Stollberg schwierig - wie Knut Liebe selbst als Grund für sein kurzes Engagement sagte. Zumal den Posten nicht jeder Kamerad machen kann - eine Ausbildung zum Verbandsführer etwa ist notwendig.


Also: Woher einen Stadtwehrleiter nehmen, wenn nicht stehlen?

Manche Kommunen haben bereits reagiert. In Großrückerswalde, Annaberg-Buchholz oder Marienberg sind die Stadtwehrleiter bezahlte Mitarbeiter im Rathaus, die sich nicht nur, aber auch um die Feuerwehr kümmern. In der Kreishauptstadt etwa ist der Posten an das Ordnungsamt gekoppelt. In Stollberg sei diese Lösung aber offenbar keine denkbare, so sagt es Knut Liebe. Ein Grund: Neues Personal koste Geld.

Zumal dieses Konstrukt noch andere Gegenargumente kennt. Zum einen ist das Amt eines Stadtwehrleiters ein Wahlamt auf fünf Jahre - für eine langfristige Personalplanung einer Kommune ist das zumindest eine nennenswerte Unbekannte. Und: Ein angestellter Stadtwehrleiter wäre nicht mehr unabhängig, sondern de facto Weisungsempfänger des Rathauschefs. Und trotzdem machen es andere Kommunen.

Der einstige Stadtwehrleiter Enrico Scheibner und Oberbürgermeister Marcel Schmidt hatten sich vergangenes Jahr zerstritten, Ersterer ist schließlich zurückgetreten. Ob er damit eine falsche Entscheidung Schmidts nicht mittragen wollte, oder es andersherum gewesen ist - nur Scheibner und Schmidt wissen die ganze Wahrheit.

Die Losung heute sollte aber sein, dass Stollberg unbedingt einen Stadtwehrleiter braucht, damit der für die Kameraden ein zentraler Ansprechpartner ist. Nicht nur als Organisator in puncto Ausrüstung, Finanzen oder Ausbildung, sondern auch als einigende Adresse für die gesamte Truppe - ob in Gablenz, Oberdorf, Beutha oder Stollberg.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...