Zum Wochenende: Ernsthafte Ansprache

Wir brauchen mehr politische Bildung. Diese Forderung hallt reflexartig aus den Parteizentralen, wenn die Wahlergebnisse den nächsten Rechtsruck abbilden. Mehr Bildung kann nicht schaden. Trotzdem lenkt die Forderung ab. Davon, dass Parteien junge Leute unterschiedlich gut erreichen. Davon vor allem, dass an den Schulen und bei ungezählten - oft latent unterfinanzierten - freien Trägern gute Arbeit geleistet wird.

Zwei Beispiele aus dieser Woche: Rund 180 Schüler in der Aula des Carl-von-Bach-Gymnasiums lauschten der Geschichte eines Holocaust-Überlebenden. Der eindringliche Text ist dabei von einem Schauspieler gekonnt vorgetragen worden. Dafür gab es Applaus. Die Botschaft käme bei den Schülern an, beteuert die Geschichtslehrerin. Das zeige sich, wenn die Schüler in der Gedenkstätte Buchenwald mit einem authentischen Ort konfrontiert würden. Ortswechsel: Ein authentischer Ort hat 80 Schüler der Oberschule Niederwürschnitz zuletzt beeindruckt. Sie absolvierten im Landtag ein Planspiel mit Debattier- und Redetraining. Das ist gut angekommen. Ähnliche Angebote gibt es an vielen Schulen.

Anders lief es, als der Kreisjugendring neulich in Stollberg junge Leute an der Entwicklung der Stadt beteiligen wollte. Das interessierte fast niemanden. Das gleiche Bild in Chemnitz. Und das in Zeiten, wo "die Jugend" als politisiert gilt. Stichwort Fridays for Future. Da klappt die Ansprache. Und das ist die Herausforderung für die Parteien: Es braucht ernst gemeinte, altersgerechte Formate und Ansprachen. Damit ist ganz sicher nicht der Rechtsruck gestoppt, aber es bietet eine Chance, wenigstens ins Gespräch zu kommen.

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