Zum Wochenende : Es stinkt

Gülle stinkt bestialisch. Aber gerade im Erzgebirge, wo Agrarbetriebe oftmals eine Kreislaufwirtschaft betreiben, kann nicht auf sie verzichtet werden. Wo Kühe gehalten werden, fällt Gülle an. Und die wiederum ist ein wertvolles Gut bei der Düngung von Wiese und Acker. Und genau dieser wirtschaftliche Faktor ist es, der die Worte von Bernd Voitel, Geschäftsführer der Gornsdorfer Agrarproduktion, glaubhaft macht: Man vergeude die Gülle nicht, dosiere genau und für den jeweiligen Boden richtig. Und darum verwahrte sich der Goag-Chef in dieser Woche gegen harsche Vorwürfe aus Auerbach.

Aber die sind nur die eine Seite. Die andere ist, WIE kritisiert wird. Denn jene, die sich beschweren, suchen offenbar nicht das Gespräch mit denen, die ihrer Meinung nach schuld an ihrem Ärger sind. Sie schimpfen miteinander und regen sich auf, aber zum Tag des offenen Kuhstalls im Juni war nicht einer da. Warum nicht? Im Gespräch ließe sich manches klären und es könnten auch Missverständnisse ausgeräumt werden - gegebenenfalls auf beiden Seiten.

Wir brauchen die einheimische Landwirtschaft - es sei denn, wir wollen uns nur noch von eingeflogenen Lebensmitteln ernähren. Und gerade Orte wie Auerbach, in denen die Industrie gänzlich zum Erliegen gekommen ist, brauchen sie auch als Arbeitgeber, als Berufsausbilder. Und die Auerbacher sollten auch nicht vergessen, wo sie leben: auf dem Dorf. Wo sollen die Kuhställe stehen, wenn nicht dort? Wo sollen Felder beackert werden, wenn nicht dort? Ganz gleich, ob man auf dem Dorf oder in der Großstadt lebt, man muss die jeweiligen Nachteile akzeptieren, wenn man die Vorteile genießen will.

In dieser Woche hörte ich im Radio die Frage eines Hörers, die ein wenig zum Auerbacher Problem passt: Warum die Traktoren gerade an einem Sonntag in der Trockenheit auf die Felder fahren und soviel Staub aufwirbeln müssen? Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man lachen. Ja, warum wird der Bauer wohl seinen Sonntag opfern, um bei der quälenden Hitze aufs schattenfreie Feld zu gehen? Manchmal stinkt nicht nur die Gülle zum Himmel, sondern auch, wie manche Leute ticken ...

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