Zum Wochenende: Mut der Günthers

Hier können Sie sich den Artikel vorlesen lassen:

Monika und Manfred Günther haben Aufsehen erregt. Die Stollberger Rentner - sie ist 71 Jahre, er 81 - suchen seit einem Monat verzweifelt einen neuen Hausarzt, nachdem ihre Ärztin des Vertrauens in Rente ging. Die Günthers suchen noch immer. Von ihren Sorgen und Ängsten haben sie erzählt - "Freie Presse" durfte darüber berichten.

Das betagte Ehepaar ist nicht alleine, das Arztproblem auf dem Land ist allgegenwärtig und nicht neu. Aber die Günthers haben dem Notstand jetzt ein Gesicht gegeben. Leider ein sehr trauriges.

Viele Leser meldeten sich über die Online-Kommentare bei "Freie Presse" oder mit Briefen. Unisono äußerten alle, dass endlich Lösungen kommen müssen. "Junge Menschen, die hier als Arzt arbeiten wollen, müssen die Studienplätze auch bekommen. Ob die Abiturnote dabei eine 1,0 oder 1,5 ist, sollte nachrangig sein," schrieb ein Mann. Er hat recht. Anders gesagt: Wer als Freistaat eine Bestenauslese betreibt und nur den Klassenprimus für das Medizinstudium zulässt, muss sich nicht wundern, dass kaum einer Hausarzt machen mag. Beobachter fordern daher schon lange, dass neben einem guten Abi auch andere Parameter gelten müssen: Hohe Motivation und Bereitschaft etwa, anderen Menschen helfen zu wollen. Egal wo. Ob in Berlin oder Beutha.

Dies scheint bei der Studienplatzvergabe aber immer noch zu kurz zu kommen. Auch wird oft beklagt, dass die Allgemeinmedizin an vielen Universitäten ein Stiefmütterchendasein führt. All das sind keine guten Voraussetzungen dafür, dass ein junger Mediziner Hausarzt wird und dann noch aufs Land will.

Da sind wir wieder bei den Günthers. Sie sind die Leidtragenden. Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben und heute mit Diabetes oder einem kranken Rücken dringend einen Partner im weißen Kittel brauchen. Aber keinen finden. Die AOK Plus hat sich auf den "Freie Presse"-Artikel gemeldet und will sich für das Ehepaar einsetzen. Das ist löblich und hat hoffentlich Erfolg. Doch eine Heilung der kranken Ärzte-Situation ist das natürlich nicht. Nur eine Linderung.

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