Zum Wochenende : Nass fürs Volk

Für Sie berichtet: Christoph Pengel

Wenn ein Bürgermeister baden geht, verheißt das meist nichts Gutes. Das muss man eigentlich kaum näher erklären. An einem trockenen, warmen Schreibtisch regiert es sich einfach besser, als wenn einem das Wasser bis zum Hals steht. Der umgekehrte Fall ist weniger erprobt, aber ebenso hoffnungslos: Ein Bademeister, der in der Politik mitmischen will, wird ja schon deshalb nicht ernst genommen, weil er entweder Schlappen am Fuß oder einen Schwimmring um den Hals trägt.

Dass diese zwei Formen der Grenzüberschreitung nun gleichzeitig in Thalheim stattfinden, ist ein kosmisch einmaliges Ereignis. Aber viele haben es womöglich gar nicht mitbekommen. Die Stadt Thalheim will das Erzgebirgsbad wiederbeleben. Offen ist nur, in welcher Form. Chlor oder Natur? Becken oder Teich? Rasen oder Sand? Um Ideen für die Gestaltung des Bads zu sammeln, haben sich Bürgermeister Nico Dittmann und ein hiesiger Bademeister auf Entdeckungstour begeben, zusammen mit Stadträten. Mehrere Stationen standen auf dem Programm der ersten Rundfahrt, darunter die Naturbäder in Schlettau und Niederwiesa.

Noch sind viele Fragen ungeklärt, zum Beispiel: Wie kommt Thalheim an Wasser? Leitungen sind im Gespräch, aber sinnvoller wäre wohl eine weitere Reise, etwa an die Ostsee, da gibt es schließlich sehr viel Wasser. Einheimische könnten gefragt werden, wie sie in den Besitz solch erheblicher Mengen H2O gelangt sind. Und wenn man schon mal unterwegs ist: Warum nicht nach Thailand, Australien oder Lanzarote fliegen, um das Geheimnis tropischer Strandatmosphäre in die Heimat zu importieren?

Als Steuerzahler muss man sich deswegen nicht nass machen. Die Aufwandsentschädigung, die Stadträte erhalten, ist in der Regel so gering, dass es kaum für eine Tube Sonnencreme reicht. Ich denke, das Geld für eine Weltreise wäre gut angelegt. Schließlich geht es um die Zukunft von Thalheim. Und die Zukunft von Nico Dittmann. Noch surft der Bürgermeister auf einer Welle der Zustimmung.

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