Zum Wochenende : Schock im Wasser

Unheimlich, was die Polizei diese Woche vermeldet hat: 300 tote Fische wurden in der Stollberger Talsperre entdeckt, vor allem Giebel. Giebel sind schmucklose Wesen. Dennoch dachte man früher, der Goldfisch stamme von ihnen ab. Forscher haben das widerlegt. Die Polizei vermutet, dass jemand die Giebel in der Talsperre ausgesetzt hat. Gestorben sind sie wegen des niedrigen pH-Werts. Sagen die Ermittler.

Befriedigend ist das nicht. Der Massentod wirft Fragen auf: Warum setzt jemand 300 Fische in einem fremden Gewässer aus? Die Polizei hält sich an griffige Fakten. Glitschige Theorien sind tabu, solange der Täter noch nicht ins Netz gegangen ist. Ich will es trotzdem mal versuchen. Die Gedanken sollen zappeln.


Wer sagt eigentlich, dass ein Mensch die Fische transportiert hat? Vielleicht haben sie es auch selbst geschafft. Bekannt ist, dass Aale Tausende von Kilometern zurücklegen, um sich in der Sargossasee (Atlantik) fortzupflanzen. Dabei schlängeln sie sich durch Flüsse und Gräben, überqueren feuchte Wiesen. Über ein Jahr kann das dauern. Was man eben so in Kauf nimmt, um zur Fortpflanzung der eigenen Rasse beizutragen. Auch Giebel haben einen starken Fortpflanzungstrieb. Anders formuliert: Lässt man Giebel auf ein fremdes Gewässer los, geht es bald zu wie einst in Hugh Heffners Swimmingpool.

Dass 300 Giebel auf einmal in einer Talsperre auftauchen, lässt sich also biologisch erklären. Das Massensterben erfordert steilere Thesen wie die: Es war der Massenselbstmord einer Sekte. Aber dagegen sprechen zwei Argumente. Erstens: Die Sekte, die das Fischsymbol nutzt, lehnt Selbstmord kategorisch ab. Und zweitens gehört zu einer Sekte immer ein charismatischer Führer, bei dessen Anblick die Anhänger ihren Verstand verlieren. Ein Goldfisch könnte diese Funktion vielleicht ausfüllen, aber der hat ja mit Giebeln nichts am Hut.

Vielleicht war es auch ein psychischer Schock: Laut einer Studie können Putzerfische ihr eigenes Spiegelbild erkennen. Möglich, dass die Giebel eine Art Schwarmbewusstsein entwickelten. Dann ist ihnen plötzlich klar geworden, wo sie sich befanden: in einer Trinkwasser- anlage für Menschen. Da kann man schon mal depressiv werden.

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