Zum Wochenende: Stecker gezogen

Pragmatischer wäre es, einfach ein Verlängerungskabel aus dem Rathaus raushängen zu lassen und so die paar E-Autos in Burkhardtsdorf aufzuladen. Das ist die sarkastische Reaktion von Bürgermeister Jörg Spiller auf einen Förderbescheid für eine Elektroladesäule auf dem Marktplatz. Die sollte das Portfolio der dafür ausgezeichneten Energiespar-Kommune erweitern. Quasi als weiteren Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Bei der Umsetzung allerdings hustet der Verbrennungsmotor der Verwaltung noch gehörig. Das zeigt der Blick nach Burkhardtsdorf. Dort ist ein entsprechender Förderantrag gestellt und auch genehmigt worden. Also steht der lokalen Verkehrswende nichts mehr im Wege?

Nein, so einfach verhält sich die Sache nicht. Man muss sich die Hose schon regelmäßig mit der Kneifzange anziehen, um den Bescheid von der Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen als anwenderfreundlich zu empfinden. Um an die 3114,36 Euro Fördergeld zu kommen, musste die Burkhardtsdorfer Verwaltung sage und schreibe 60 Din-A4-Seiten durchackern. Darin werden die Bedingungen und Auflagen erläutert: Beachtung des Mess- und Eichrechtes (sogar rot geschrieben), Nutzungsberichte für die ersten sechs Jahre, amtliche Abrechnungen und vieles mehr.

Nun ist es aber so, dass Burkhardtsdorf die Gesamtkosten auf 16.000 bis 18.000 Euro beziffert und der Bedarf als überschaubar eingeschätzt wird. Da lohnt ein solcher Aufwand kaum. Und es ist ja nicht so, dass nicht alles versucht worden wäre. Am Freitagvormittag ist sogar noch ein Elektriker zurate gezogen worden. Der sollte prüfen, ob eine autarke Anlage mit Solarstrom und Speicher umsetzbar wäre. Doch der Experte winkte nur ab. Nun geht das Geld zurück zur Bundesanstalt.

So wird das nichts mit der grünen Verkehrswende, dem großen Green Deal, der zwischen Brüssel und Dresden bei Politikern in aller Munde ist. Der Schritt vom Lippenkenntnis zur realen Umsetzung ist augenscheinlich noch groß.

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