Zum Wochenende: Weit- Sicht

Auf den ersten Blick wirkt es makaber: Die Verwaltung in Burkhardtsdorf hat sich mal die Mühe gemacht und herausgesucht, bei wie vielen Wohnhäusern in Auerbach, Gornsdorf und Burkhardtsdorf in den nächsten 20 Jahren ein Besitzerwechsel ansteht. Konkret wurde geschaut, wie viele über 70-Jährige in den Immobilien wohnen. Wenn sie sterben, muss ein Nachfolger her.

Das klingt erst einmal ziemlich hart. Doch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. So erlebt Auerbach in den nächsten Jahrzehnten bei mehr als der Hälfte seiner Immobilien einen Wechsel: 173 von 297 erfassten Gebäuden haben einen Besitzer, der oder die zwischen 70 und 90 Jahre alt ist. Ähnlich lautet die Prognose in Gornsdorf. Dort werden 130 von 228 Immobilien mittelfristig den Besitzer wechseln. In Burkhardtsdorf sieht es etwas besser aus: Dort wird sich absehbar bei 270 von 1533 Immobilien etwas ändern.

Auch wenn das nur der Auszug aus dem Einwohnerregister mit Abgleich des Geburtsdatums war und in manchen Fällen die Kinder oder Enkel schon heute wissen, dass sie das Haus übernehmen werden: Die Auflistung, die Burkhardtsdorfs Bürgermeister Jörg Spiller in dieser Woche im Gemeinschaftsausschuss präsentierte, diente vor allem einem Ziel: ein Gedankenanstoß für die Gemeinderäte der drei Orte in der Verwaltungsgemeinschaft. "Wir rollen auf einen massiven Leerstand zu", sagte Spiller.

Und das ist nicht das einzige Problem. Baugebiete ausweisen, das ist zwar schick. Damit brüstet sich jede Kommune gern. Doch sie ziehen vor allem junge Familien an, deren Kinder einen Platz in der Kita oder der Grundschule brauchen. Auch das ist schön für jede Kommune. Doch wenn man sieht, wie voll etwa die Kita in Gornsdorf oder die Grundschule in Burkhardtsdorf ist, muss einem klar sein, dass das Folgen hat, die kosten werden. Insofern ist die Auflistung zwar erst einmal ein hartes Stück Brot. Sie kann aber helfen, der demografischen Entwicklung schon heute ins Auge zu blicken und vorausschauende Entscheidungen zu treffen. Das ist besser, als in 15 Jahren klagend nur noch reagieren zu können.

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