Zwei Frauen leben die Ehe für alle

Seit 1. Oktober 2017 können gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Zuvor gab es für Schwule und Lesben nur die Möglichkeit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Doch wie wird das neue Gesetz in der Kreisstadt angenommen? "Freie Presse" hat eines der Ehepaare getroffen.

Annaberg-Buchholz.

Dass Simone Gornik-Behrens und Petra Gornik einmal verheiratet sein würden, daran hatten die beiden Frauen wohl selbst am wenigsten geglaubt. Doch das Leben hält eben immer wieder Überraschungen bereit und eine im Leben der beiden war, dass sie sich ineinander verliebten.

2010 lernen sie sich bei einem Kuraufenthalt in Bad Gottleuba kennen. Simone, die damals noch Behrens mit Nachnamen hieß, lebte zu dieser Zeit in der Nähe von Magdeburg, Petra Gornik ist Annabergerin. "Wir mochten uns von Beginn an", erzählen die beiden Frauen. Sie lachten, quatschten, weinten, hatten einfach Spaß. Die Chemie habe sofort gestimmt.

Dass sich daraus eine gleichgeschlechtliche Beziehung entwickeln würde, war da noch nicht erkennbar. Denn sowohl Simone Gornik-Behrens als auch Petra Gornik hatten vor ihrem Kennenlernen nur Beziehungen mit Männern. Simone war sogar verheiratet, hat zwei Kinder. Doch schon bei der Kur habe sie gemerkt, dass da mehr im Spiel war, dass sie Gefühle hatte.

"An dem Tag als Petra abreiste, habe ich Rotz und Wasser geheult. Ich wusste aber nicht so richtig, warum", erzählt Simone Gornik-Behrens. Noch während sie zur Kur ist, wird der Kontakt immer intensiver. Die beiden Frauen telefonieren miteinander, sie verbringen ein gemeinsames Wochenende in Annaberg. Im Mai 2010 zieht Simone Gornik-Behrens schließlich ganz ins Erzgebirge. Petra und Simone hatten sich ineinander verliebt und wollten ihr Leben miteinander teilen.

Ganz einfach war es natürlich nicht. Simone Gornik-Behrens, heute 51 Jahre alt, verließ ihre Familie, die ihre neue Beziehung zum Teil noch heute nicht akzeptiert oder zumindest skeptisch sieht. Doch bereut habe sie den Schritt nie. Petra Gornik wählte den offensiven Umgang. "Ich bin schnell sehr offen damit umgegangen", sagt die 62-Jährige. Negative Reaktionen habe es keine gegeben. Aber natürlich gucken die Leute schon mal, wenn sie Händchen halten.

Drei Jahre später: Es ist das Jahr 2013, als sich die Annabergerinnen entscheiden, ihre Beziehung auch vor dem Gesetzgeber offiziell zu machen. Sie wollen in allen Lebenslagen füreinander da sein können und entschließen sich daher, aufs Standesamt zu gehen. Seit 2001 können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. "Für uns war das damals wie eine richtige Hochzeit", sagt Petra Gornik. Einen Unterschied habe es für sie eigentlich nicht gegeben.

Doch vier Jahre danach, am 1. Dezember 2017, nur zwei Monate nachdem die Ehe für alle in Deutschland möglich wurde, standen die beiden Frauen wieder vor dem Standesbeamten. "Wir haben noch einmal Ja gesagt." Eine eingetragene Lebenspartnerschaft sei eben - auch vom Gefühl her - keine offizielle Ehe. Doch genau das wollten Petra Gornik und Simone Gornik-Behrens. Also wurde aus der eingetragenen Lebenspartnerschaft eine Ehe. Dabei waren sie eines von zwei Paaren, die in Annaberg-Buchholz 2017 diesen Schritt gingen. 2018 gaben sich laut Rathaussprecher Matthias Förster fünf gleichgeschlechtliche Paare in der Kreisstadt das Ja-Wort - drei mit männlichen und zwei mit weiblichen Partnern. Für dieses Jahr lägen aktuell noch keine Anmeldungen für gleichgeschlechtliche Eheschließungen vor, so Matthias Förster.

Seit zehn Jahren teilen Simone Gornik-Behrens und Petra Gornik nun schon ihr Leben. Und sie genießen es. Per Schiff entdecken sie die Welt auf Kreuzfahrten. Dass sie sich gefunden haben, empfinden beide als Glück. Ob sie sich auch in andere Frauen verliebt hätten? Das glauben sie nicht. Ihre Beziehung als gleichgeschlechtliches Paar sei für beide etwas Einmaliges. Und sie sind glücklich, dass sie als Frau und Frau durchs Leben gehen können.

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