Zwei junge Frauen haben das Sagen

Erstmals in der Geschichte der Jugendtheatergruppe Limited Edition teilen sich zwei Mädchen die Regiearbeit. Beide sind zudem die letzten verbliebenen Mitglieder des Ursprungsensembles. Was treibt Clara Kirsten und Dilara Decker an?

Stollberg.

Die beiden Schülerinnen könnten im Auftreten unterschiedlicher nicht sein. Hier Clara Kristen, 17 Jahre jung, und eher zurückhaltend. Da die ein Jahr ältere Dilara Decker, die den Probenraum wie ein Wirbelwind betritt und mit fester Stimme sofort Präsenz zeigt: "Hallo, ich bin hier die Ensemble-Oma." Die beiden teilen sich bei der Jugendtheatergruppe Limited Edition in diesem Jahr die Regie - als erstes weibliches Duo der Gruppe. Trotz ihrer jungen Jahre haben die beiden eine lange gemeinsame Theatergeschichte.

Im Jahre 2012 lernten sie sich quasi durch einen Zufall kennen. Auf dem Spielplan von Limited Edition stand damals das allererste Stück: "Schwarz. Weiß. Und Grau". Zwei Wochen vor der Premiere fehlten noch Darsteller. "Meine Schwester war damals Co-Regisseurin und hat mich angesprochen", erinnert sich Clara Kristen. "Ich habe zugesagt und so Dilara kennengelernt." Die erinnert sich ebenfalls an die ersten gemeinsamen Schritte bei Limited Edition: "Die Situation war verrückt und aufregend. Das hat uns zusammengeschweißt." Die Gruppe hat es ihnen damals leicht gemacht. Also blieben beide Mädchen am Ball. Heute sind sie die einzigen beiden verbliebenen Mitglieder des Ursprungsensembles.


Es war daher wohl folgerichtig, dass in der aktuellen Spielzeit die Wahl auf Clara Kristen und Dilara Decker gefallen ist, als es um die Regie ging. Lange überlegen mussten beide nicht. "Wir haben ja mittlerweile eine Menge Erfahrung", begründet Dilara Decker. Schließlich spielen beide seit Jahren Theater - Dilara auch noch in der Erwachsenengruppe "Thea(l)ternativ" - und haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Workshops belegt: Klang, Theaterpädagogik sowie Schauspiel- und Rollentraining.

Ein wenig mag auch die Sorge eine Rolle gespielt haben, dass es mit Limited Edition zu Ende gehen könnte. Denn das vergangene Jahr war turbulent. "Wir hatten viel Stress mit dem Stück", erinnert sich Clara Kristen. Dazu kam noch die generelle Zukunftsangst. "Über allem schwebte irgendwie die große Entscheidung, wie es weiter gehen würde", ergänzt Dilara Decker. Denn die Gruppe hatte sich vom Theaterpädagogischen Zentrum abgenabelt und sich zunächst als freie Theatergruppe durchgeschlagen. Das allerdings führte die Jugendlichen an organisatorische und finanzielle Grenzen. Seit Anfang des Jahres sind sie nun Teil des Vereins Kulturelle Notlösung.

Die beiden Regisseurinnen können sich also ganz auf die Arbeit am neuen Stück "Fick die Henne" konzentrieren, das im Juni Premiere feiern soll. Das Jugendstück haben die beiden selbst geschrieben. Allerdings haben die Darsteller großen Anteil am Buch. Zwar haben die beiden Regisseurinnen die Grundgeschichte konzipiert, doch die Darsteller haben ihre Figuren jeweils selbst charakterisiert. "Erst dann haben wir das Stück zu Ende geschrieben", sagt Dilara Decker.

Nun arbeiten sie daran, dass die Szenen bis zur Premiere sitzen. "Das ist schon etwas anderes als nur zu spielen. Jetzt müssen wir nicht nur die eigene Rolle, sondern das große Ganze im Blick haben", beschreibt Clara Kristen die Herausforderung. Sie übernimmt dabei eher den organisatorischen Part, während Dilara Decker die kreative Note in das Duo einbringt. "Clara bringt Struktur in die Gruppe und in mich - ich bin eine Chaotin", räumt Letztere ein. Einmal wöchentlich wird für zwei Stunden im Schlachthof geprobt. Dazwischen finden etliche Telefonate oder Besprechungen via Skype statt. Zurzeit stehen Einzelproben auf dem Programm, in denen die beiden mit kleinen Gruppen arbeiten. Im April folgt ein Probenwochenende mit dem kompletten Ensemble.

Der geneigte Zuhörer merkt, dass beide Schülerinnen in ihrer Aufgabe aufgehen. Ob sie der Theaterbühne auch künftig treu bleiben? "Ich möchte es mir als Hobby erhalten. Zum Beruf werde ich es aber wahrscheinlich nicht machen", räumt Clara Kristen ein. Dilara Decker legt ein anderes Naturell an den Tag. "Erst mal mache ich mein Abi", sagt die Schülerin des BSZ Oelsnitz. "Und dann mach' ich das, wohin mich der Wind treibt." Unterschiedlicher könnten sie kaum sein.

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