Zwischen Fußballplatz und Transportpaletten

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Wenn im sächsischen Amateur-Fußball wieder der Ball rollt, wird Serban Daniel zum Aufgebot der SG Neukirchen gehören. Er brennt bereits darauf, wieder auf dem Platz zu stehen und hat sich große Ziele gesetzt.

Neukirchen.

Die Sportgemeinschaft Neukirchen hat sich in der vergangenen Winter-Transferperiode mit dem rumänischen Mittelfeldspieler Serban Daniel verstärkt. Sobald der reguläre Spielbetrieb wieder losgeht, soll der 20-Jährige für die erste Mannschaft im defensiven Mittelfeld auflaufen.

"Ich bin schon sehr aufgeregt und freue mich auf mein erstes Training und mein erstes Spiel. Dem Club möchte ich so schnell es geht helfen, alle Gegner zu besiegen und aufsteigen zu können", erklärt er.

Serban Daniel lebt seit drei Monaten in Deutschland. Vorher spielte er für den Verein C.I.L. Blaj in der vierten rumänischen Liga. "Ich bin nach Deutschland gekommen, um mehr Geld zu verdienen", erklärt der Neuzugang. Seine Schwester lebt bereits seit zwei Jahren in Neukirchen und arbeitet für die Firma Eifrisch. Sie erkundigte sich bei der Geschäftsleitung nach einem Job für ihn. Und tatsächlich ergab es sich, dass er auch bei der Firma anfangen konnte. Seine Aufgabe bei Eifrisch ist es, Paletten für die Lieferung vorzubereiten.

Seine Heimat zu verlassen fiel ihm, wie er sagt, allerdings alles andere als leicht. Der Kontakt zur Sportgemeinschaft Neukirchen kam über seinen Arbeitskollegen Nico Hieronymus zustande, der selbst für den Club stürmt. "Fußball bedeutet alles für mich, deshalb war es mir extrem wichtig, in Deutschland wieder einen Verein zu finden", sagt Daniel. Und auch die Sportgemeinschaft ist offenbar gespannt, ihn in Aktion zu erleben. "Bislang haben wir noch nie mit ihm gespielt. Bei einer Taktikbesprechung mit unserem Trainer Thomas Kersten fiel allerdings schon auf, dass Sachverstand vorhanden ist", berichtet Mannschaftsleiter Tom Tolkmitt. Serban Daniel kam zum Fußball, als sein größerer Bruder ihn im Alter von sechs Jahren mit auf den Fußballplatz nahm. "Mein Lieblingsverein ist Real Madrid und mein Vorbild ist der Mittelfeldspieler Casemiro. Mein größter Traum ist es, sie irgendwann einmal live im Stadion zu sehen", sagt der Mittelfeldmann, der auch große Sympathien für Borussia Dortmund hegt.

Vor Beginn der Coronapandemie trainierte er jeden Tag in seiner Heimat. Mittlerweile liegt sein letztes Training mehrere Monate zurück, er absolvierte es im Oktober vergangenen Jahres. Um sich künftig besser verständigen zu können, besucht er ab März einen Deutschkurs. Möglichen Kommunikationsproblemen mit seinen Mitspielern blickt er ohne Sorgen entgegen: "Während des Spiels muss man sich mit den Kollegen nicht groß verständigen. Beim Fußball geht es ums Spielen, nicht ums Sprechen".

Wegen der Coronakrise konnte er noch nicht so viel von seiner neuen Heimat kennenlernen, hat aber dennoch erste Eindrücke sammeln können. "Ich mag die Mentalität der Menschen. Alle sind sehr freundlich", schildert Serban Daniel seine Eindrücke. Wie lange er in Deutschland bleiben möchte, weiß er noch nicht. "Das ist abhängig davon, wie sehr ich meine Familie vermisse." Seine Freundin konnte mit ihm nach Deutschland kommen. "Deswegen kann ich mir auch vorstellen, mein ganzes Leben lang hier zu bleiben", so Daniel. Neben seiner Familie vermisst er auch das rumänische Essen. Daher möchte er im Juni, wenn er Urlaub hat, für drei Wochen seine Familie besuchen. Dafür nimmt er eine 1300 Kilometer lange Fahrt in seinem Auto in Kauf.

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