Zwönitzer betreibt die größte Notfunkstation im Landkreis

Funkamateure verfügen über die Fähigkeit, unter widrigsten Verhältnissen lebenswichtige Kommunikationswege offen zu halten. Allein im Deutschen Amateur-Radio-Club sind mehr als 34.000 Funkamateure vertreten. Einer von ihnen ist Heiko Meier.

Zwönitz.

Kommunikation auch im Katastrophenfall aufrechtzuerhalten, um die Retter zu koordinieren. Das ist eine wichtige Aufgabe, denn gerade die Kommunikationswege sind oft sehr anfällig. So brachen zum Beispiel während der Jahrhundertflut 2002 im sächsischen Weißeritzkreis alle Kommunikationswege zusammen. Die Einsatzleitung, die umfangreiche Hilfseinsätze koordinieren musste, stand deshalb vor einem riesigen Problem. Entsprechende Vorkehrungen für solch einen Fall waren nicht getroffen worden. In Zwönitz sollte hingegen selbst im Falle einer Katastrophe die Kommunikation stets möglich sein, denn hier befindet sich die größte Notfunkstation im Erzgebirgskreis. Errichtet wurde sie 1996 auf dem Grundstück von Heiko Meier.

Der Funker weiß, wie wichtig es in der Vergangenheit war, dass schnell geholfen wurde. Oftmals spielen dabei Funkamateure eine wichtige Rolle, die humanitäre Hilfe leisten, indem sie mit ihren jederzeit betriebsbereiten Geräten die ersten Funkverbindungen erstellen und das zum Teil zerstörte öffentliche Fernsprechnetz ersetzen.

Beispiele, wie 1999 die Lawinenkatastrophe in Galtür, 2004 der Tsunami im Indischen Ozean oder 2011 der Tsunami in Japan, gibt es genug. Für den Katastrophenfall werden dabei weltweit Notfunkfrequenzen freigehalten.

"Wenn alle öffentlichen und nichtöffentlichen Kommunikationsmittel nicht mehr funktionieren, kann der jeweilige Einsatzleiter festlegen, welche Notfunkstationen in Betrieb gehen", erklärt Heiko Meier. Zudem sei infolge der Volldigitalisierung und dem Abschaffen analoger Technik die Gefahr gestiegen, dass bei einem sogenannten Blackout alle Kommunikationsmittel innerhalb kurzer Zeit zusammenbrechen. Solche Stromausfälle würden sich sogar häufen: "Durch den vielen Ökostrom werden die Netze zunehmend instabiler", erklärt Heiko Meier. Außerdem steige auch die Gefahr von Hacker-Angriffen.

Insgesamt stehen auf dem Grundstück von Heiko Meier neun unterschiedliche Antennen für verschiedene Frequenzbereiche. Die Antenne für die Kurzwelle ist dabei circa 14 Meter hoch, mit einer Spannweite von 15 Metern Breite. "Je größer die Antenne, umso weniger Energie wird für die Kommunikation benötigt", erklärt der staatlich geprüfte Amateurfunker und ergänzt: "Damit kann ich Entfernungen bis zu 10.000 Kilometern überbrücken."

Der 57-jährige Zwönitzer hat in seine Notfunkstation inzwischen einen mittleren fünfstelligen Betrag investiert. Für deren reibungslosen Betrieb funkt er einmal pro Woche mit anderen staatlich geprüften Funkamateuren. Da selbst bei Störungen, bei denen nichts mehr gehört werden kann, gegebenenfalls noch Morsezeichen gesendet werden können, morst er zudem mit Funkamateuren in der ganzen Welt. "Ich kann darüber hinaus auch Signale aus dem Ausland weiterleiten, was allerdings bislang noch nicht nötig war", sagt er.

Durch einen Mitschüler wurde Heiko Meier einst Mitglied in der Gesellschaft für Sport und Technik in der DDR. "Ich erlernte dort die Anfänge des Amateurfunks", erzählt er. 1978 absolvierte er schließlich seine Prüfung zum staatlich geprüften Funkamateur. Im Mai 1990 wurde der Ortsverband Aue-Schwarzenberg des Radioclubs der DDR gegründet. Mit der Wiedervereinigung ging dieser in den Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) über.

Mit seiner Notfunkstation möchte Meier etwas an die Gesellschaft zurückgeben und mit seinem Wissen im Katastrophenfall zur Verfügung stehen. Im Januar 2018 rief er zudem die Arbeitsgemeinschaft "Klubstation" am Matthes-Enderlein-Gymnasium in Zwönitz ins Leben. Stolz erzählt er: "Von neun teilnehmenden Schülern haben acht die Amateurfunklizenz erworben." Die jungen Funker hatten jüngst Kontakt zu Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation.

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