200 Einwohner stemmen sich gegen Pläne für alten Sportplatz

Das Projekt für die neue Ortsmitte in Krumhermersdorf stößt auf Widerspruch. Eine Unterschriftensammlung ging im Zschopauer Rathaus ein. Auch der Präsident des Fußballvereins ist sauer.

Krumhermersdorf.

Gegen die Gestaltung eines neuen Dorfzentrums in Krumhermersdorf regt sich Widerstand. Statt das Vorhaben in dem Zschopauer Ortsteil weiter voranzubringen, mussten die Mitglieder des Hauptausschusses gleich zu Jahresbeginn überlegen, wie sie die Kuh vom Eis bekommen. Oberbürgermeister Arne Sigmund (parteilos) hatte zuvor ein Schreiben vom Präsidenten des FSV Zschopau/Krumhermersdorf erhalten. Günther Schneider moniert darin, dass der Fußballverein nicht in die Planung einbezogen worden sei und fordert, die Vereinsinteressen zu berücksichtigen. Zudem erreichte die Stadt eine von rund 200 Einwohnern unterzeichnete Unterschriftensammlung gegen das Vorhaben.

Für Ortsvorsteher Jörg Reichel (CDU), der zur Ausschusssitzung im Besucherbereich Platz genommen hatte, kam das überraschend. Das Projekt wurde im November zur Ortschaftsratssitzung diskutiert und von allen Räten befürwortet. Das öffentliche Interesse sei gering gewesen. Nur 15 Besucher hatte Reichel gezählt. Im Kern ging es um den Bau eines Festplatzes auf dem Gelände das alten Sportplatzes am Vereinshaus. Etwa ein Drittel der Fläche will die Kommune dafür nutzen.

Vorgesehen ist ein gepflasterter Bereich, auf dem ein Festzelt, eine Bühne und fünf feststehende Verkaufsbuden Platz finden. Im Anschluss an dem versiegelten Bereich ist ein Bolzplatz vorgesehen. Nur um dieses Projekt sei es zur Ortschaftsratssitzung gegangen, betont Ortsvorsteher Reichel. Der künftige Standort der Ortsfeuerwehr habe im November keine Rolle gespielt.

Gleichwohl hatte die Stadt den Auftrag erteilt, die gesamte Sportanlage zu überplanen. Auf den verbliebenen zwei Dritteln der Fläche ist neben Stellplätzen ein Feuerwehrgerätehaus eingezeichnet. Ein Einwohner, der sich zur Hauptausschusssitzung zu Wort meldete, kritisierte die Nähe zur Wohnbebauung. "Wer möchte schon ein Feuerwehrgebäude vor der Haustür haben?", fragte er in die Runde. Auch den Festplatz hält er angesichts der Möglichkeiten des in unmittelbarer Nachbarschaft agierenden Vereins "De Schul" für überflüssig, gar für kontraproduktiv. Jörg Reichel sieht das anders und hält am Festplatz-Projekt fest. Hinsichtlich des künftigen Feuerwehrstandortes räumt er jedoch Gesprächsbedarf ein. Vorstellbar wäre etwa, das Mehrzweckgebäude an der Hauptstraße abzureißen und an dieser Stelle den Feuerwehrneubau zu errichten.

FSV-Präsident Schneider hatte sich schon vor Jahren für die Erneuerung des "Stadions der Bauarbeiter" eingesetzt und versucht, bei der Beschaffung von Fördermitteln für einen Kunstrasenplatz zu vermitteln. Die einschließlich Flutlichtanlage auf 779.000 Euro bezifferte Investition hatte der Stadtrat damals aus dem 2012er-Haushalt gestrichen.

Aus heutiger Sicht hält Günther Schneider die Umsetzung für zu teuer. Ein Kunstrasen-Projekt kann er sich dennoch vorstellen. Auf einem 50 mal 70 Meter großen Kleinfeld wäre das mit staatlichen Mitteln der Sportförderung durchaus zu stemmen. Während der jetzt geplante Bolzplatz dem Verein keinen Nutzen bringe, könnte mit besagtem Kleinfeld an dieser Stelle ganzjährig Trainingsbetrieb gewährleistet werden - auch in Zeiten, in denen das Stadion nicht bespielbar ist. Momentan müsse der Verein auf Plätze in anderen Orten ausweichen. "Ich will mich auf keinen Fall gegen die Feuerwehr stellen. Doch man müsste zusammen ganz offen über die Dinge reden und eine Lösung finden", sagt Schneider auf Nachfrage. Aus seiner Sicht steht eine Planungsänderung dem Vorhaben zur Neugestaltung des Sportplatzes nicht entgegen.

Jörg Reichel will im Februar alle Beteiligten an einen Tisch bringen. Zuvor hatte der Hauptausschuss die Sache an den Ortschaftsrat zurückverwiesen. "Im Moment kann ich mir noch nicht vorstellen, wie ein Kompromiss aussieht. Ich erwarte aber von allen Beteiligten ordentliche Vorschläge", so Reichel. Neben Fußballverein und Feuerwehr will der Ortsvorsteher OB Sigmund sowie Vertreter von Kämmerei und Bauamt einladen.

Eile ist geboten. Ende 2018 hatte der Stadtrat beschlossen, 30.000 Euro der pauschalen Landeszuweisung zur Stärkung des ländlichen Raumes für die Planung eines zentralen Dorfplatzes einzusetzen. Der Projektvorschlag wurde Ende 2019 im Landratsamt eingereicht, um über das Förderprogramm für den ländlichen Raum (Leader) einen 75-prozentigen Zuschuss zu erhalten. Eine Entscheidung des Fördermittelgebers wird für Ende März erwartet.


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