Abenteuer im Schnee geht in die nächste Runde

"Skiindividuell" heißt eine Tour, bei der Teilnehmer schon seit fast 40 Jahren ihre Grenzen ausloten. Auch zu Corona-Zeiten kann man sich dieser Herausforderung stellen.

Sorgau.

Schon als in den frühen 1980er-Jahren einigen verrückten Wintersportlern aus der Region Freiberg die Idee eines ausgefallenen Wettbewerbs kam, hielten sie sich in gewisser Weise an die Corona-Regeln. "Jeder sollte für sich allein eine vorgegebene Strecke möglichst schnell zurücklegen", erklärt Jörg Lehmann. Etwa 120 Kilometer lang war diese Extremtour bei ihrer Premiere. Obwohl - oder womöglich ja gerade weil - die Teilnehmer auch nachts und bei jedem noch so kalten Wetter mit ihren Skiern unterwegs waren, wuchs die Euphorie rasch. Inzwischen steht der sogenannte "Ski individuell" trotz der Corona-Pandemie vor seiner 38. Auflage - mit einem besonderen Modus.

"Am 29. Januar ist es wieder soweit", sagt Lehmann und erklärt warum. "Wir richten uns immer nach dem Vollmond, damit die Teilnehmer nachts besser sehen können", sagt der Sorgauer, der die Organisation schon vor einigen Jahren von den Freibergern übernommen hat. Und wie so ziemlich jedem, der mitmacht, kann auch dem 38-Jährigen die Herausforderung nicht groß genug sein. Bis zu 180 Kilometer lang waren daher schon die Ausflüge, deren Ziel den Teilnehmern erst unmittelbar vor dem Start genannt wird. Und den Weg dorthin muss jeder für sich selbst wählen.

Neben einer Landkarte und einem Rucksack mit Verpflegung sollte jeder auch einen Schlafsack dabei haben, denn an einem Tag ist die Tour nie zu schaffen. Einige ganz harte Jungs hätten es zwar schon ohne Schlafpause geschafft. "Aber es kann auch schon mal vorkommen, dass Schutzhütten oder Bushaltestellen nachts überfüllt sind", sagt Jörg Lehmann schmunzelnd. Solche Treffs seien erlaubt - genau wie ein Bier zur Stärkung in einer Kneipe. Danach schwinge sich jeder wieder auf seine Ski oder macht zur Not zu Fuß weiter. "Mal mehr, mal weniger - aber eigentlich lag immer irgendwo Schnee", so der Organisator.

Diesmal können sich die Teilnehmer - im Schnitt seien es immer so um die 30 - über einen echten Winter freuen. Dafür erschwert die Pandemie den Ablauf. "Corona zum Trotz" wurde ein Modus gefunden, der individuelle Touren von weit über 100 Kilometer ebenso ermöglicht wie die Einhaltung der Schutzverordnung. "Jeder Teilnehmer startet an seinem Wohnort und läuft zwölf Kilometer in eine Richtung. Dann beginnt er im Radius um seinen Wohnort zu laufen", so Lehmann. Aufgrund der Ausgangssperre muss jeder 22 Uhr wieder daheim sein. Dafür geht's am nächsten Morgen, 6Uhr, wieder los - auf dem Radius zurück zu der Stelle, wo der Kreis tags zuvor verlassen wurde.

Bis zum 31. Januar können so drei Tage lang Kilometer gesammelt werden. "Und virtuelle Treffen gibt's hinterher dank Handy-App auch", sagt Jörg Lehmann, für den der Zusammenhalt der Teilnehmer einen wichtigen Aspekt darstellt. Ein fester Kreis an Abenteurern sei immer dabei - und zwar nicht nur aus der Region, sondern zum Teil auch aus weiter entfernten Bundesländern. "Unsere Veranstaltung hat sich herumgesprochen. Es kommen auch immer wieder neue Leute dazu", erklärt der Sorgauaer, der bis kommenden Montag per E-Mail weitere Anmeldungen annimmt.

Eine Teilnahmegebühr gibt es diesmal nicht. Dafür hofft Lehmann auf Spenden für ein Schulprojekt, das er mit seiner Lebensgefährtin Christine Lickert im Kongo betreibt. "Wir unterstützen dort Kinder mit Schulmaterial", so der Erzgebirger, der aller zwei Jahre nach Ostafrika reist.www.teamll-groenland.de

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.