Abseits der Gleise sorgen kleine DDR-Fahrzeuge für Belebung

Um ihrer Anlage mehr Pep zu verleihen, haben sich die Gelenauer Modellbahnbauer etwas Neues einfallen lassen. Neben den eigentlichen Objekten ihrer Leidenschaft fahren nun noch mehr Kunstwerke durch die Landschaft.

Gelenau.

Wie von Geisterhand gesteuert biegt der S 4000 am Fabrikgelände links ab. Eine Hand am Steuer hat niemand, denn bei dem Oldtimer-Lkw im Stil der späten 1950er-Jahre handelt es sich um ein Modell im Maßstab 1:87. Genau wie bei den Bahnen direkt daneben, doch die bewegen sich ja wenigstens auf Schienen. "Dieser kleine Laster fährt über Magnetstreifen", erklärt Uwe Stiegler und lüftet damit das Geheimnis.

Er und die anderen neun Mitglieder des Erzgebirgischen Modellbahn-Clubs Gelenau haben monatelang daran getüftelt, die neuen Modellfahrzeuge ins Rollen zu bringen. Neben dem S 4000 handelt es sich dabei noch um einen Garant-K-30-Kleinbus und einen W-50, der bereits im Einsatz war. Nun sind die Gelenauer ein ganzes Stück weiter, wie bei der Ausstellung an diesem Wochenende zu sehen sein wird.

"Es bedarf immer mal einer Neuerung, sonst wird die Anlage für die Besucher irgendwann langweilig", sagt Stiegler. Diesen Ansatz verfolgen er und seine Mitstreiter schon, seitdem sie 1996 zum ersten Handgriff ansetzten. Auf mittlerweile 35 Quadratmeter ist die liebevoll gestaltete Landschaft in ihrem Vereinsraum angewachsen, die voll und ganz der Fantasie ihrer Erbauer entsprungen ist. "Reale Orte nachzubauen, ist immer schwierig, weil irgendjemand garantiert etwas daran auszusetzen hat", sagt Steffen Dittrich. Er ist der Vorsitzende des Vereins, der sich in diesem Jahr über Zuwachs freuen durfte. Mit den beiden neuen Mitgliedern reicht die Altersspanne nun von 15 bis 67 Jahren. Vertreter mehrerer Generationen haben somit Einfluss auf die Weiterentwicklung, sie sich in vielen Details äußert.

Wer genau hinschaut, der entdeckt auch eine gerade gelandete Eule, die mit leuchtenden Augen auf einem Naturdenkmal sitzt. Veränderungen, die durch die neuen Fahrzeuge nötig wurden, sind dagegen schon auf den ersten Blick zu erkennen. So führt eine neue Straße hinauf auf den Berg, auf dem sich ein kleines Dorf und das "Gasthaus zum Löwen" befinden. "Wir haben Trittschalldämmung aufgebracht, die eigentlich für Laminat gedacht ist. Dann wurden Nuten hineingefräst, Magnetbänder gelegt, verspachtelt und am Ende das Ganze bemalt", berichtet Dittrich. Am oberen Ende, wo die Straße in einen Tunnel übergeht, ist der Rohbau noch erkennbar.

Doch auf der unteren Ebene, wo der S 4000 gerade aufs Fabrikgelände einbiegt, ist schon alles fertig. Die Magnetbänder im Untergrund sind nicht erkennbar, dafür aber der kleine Magnet am Fahrzeug. Diesen anzubringen, war nur ein kleiner Teil der an den Autos notwendigen Arbeiten. Gekauft wurden diese als kleine starre Modelle. "Wir haben sie dann umgebaut zu einem Car-System mit Lenkung, Getriebe und Akku", erzählt Uwe Stiegler. Angetrieben von winzigen Motoren, fahren der Garant K 30, der S 4000 und der W 50 nun durch die Landschaft. Wie im echten Leben hat jeder dabei seine eigene Geschwindigkeit. Unfälle sind dagegen ausgeschlossen, weil ein Computer den Ablauf mithilfe von Haltepunkten koordiniert. Zu erleben ist alles in der Ausstellung am Samstag von 13 bis 18 Uhr sowie am Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

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