Akademikerin unterstützt Integration an Oberschule

Hinter dem englischen Begriff Fellow verbirgt sich ein Projekt für Schulen. Auch in Zschopau bekommen Lehrer und Kinder nun Hilfe. Alle Probleme kann das Programm aber nicht lösen - soll es auch nicht.

Zschopau.

Das kleine Klassenzimmer mit Dachschräge ist für die Schüler der Integrationsklassen viel mehr als nur ein Raum. Es ist ein Rückzugsort, ein Platz, um unter sich zu sein. Denn die Kinder aus Syrien, Afrika und Osteuropa, die an der Martin-Andersen-Nexö-Oberschule in Zschopau in dieses Zimmer gehen, sind allesamt mitten im Integrationsprozess.

Schulleiterin Sybille Berndt weiß, dass eben dieser Prozess alles andere als einfach ist - auch für die Lehrer: "Es kommt auf sie immer mehr Arbeit mit Eltern, Unterstützern und Jugendämtern hinzu." Deshalb hat sie ihre Schule für das "Fellow"-Programm der Teach First Deutschland gGmbH angemeldet. Hinter Fellows verbergen sich Hochschulabsolventen, die an Schulen mit besonderen Herausforderungen tätig werden, um dort die Kinder in ihrer schulischen wie auch persönlichen Entwicklung zusätzlich zu unterstützen.

Der Zschopauer Schule wurde Wilma Bräutigam zugeteilt. Die gebürtige Dresdnerin ist seit wenigen Tagen im Einsatz und muss für ihre Arbeit erst einmal die Schülerinnen und Schüler in den Willkommensklassen kennenlernen. Dies geschieht, indem sie sich am Unterricht beteiligt, die Lernenden bei Problemen unterstützt und diese auch gezielt anspricht: "Die Lehrerinnen haben darauf hingewiesen, dass die Kinder bei Problemen auch auf mich zukommen können. Zum Glück haben diese das schnell verstanden und nehmen dieses Angebot auch wahr."

Derzeit gibt es 28 Teilnehmer in diesen Klassen, aufgeteilt in verschiedene Integrationsstufen. Wilma Bräutigam wird sich in den nächsten Tagen und Wochen 20 Kinder heraussuchen, die einen besonderen Unterstützungsbedarf haben und sich in den kommenden zwei Jahren auf diese konzentrieren. "Dabei achte ich auf schulische Leistungen, aber auch auf soziale Aspekte", beschreibt sie den Auswahlprozess.

Doch nicht nur im Unterricht will sie dabei sein. Abseits der typischen Fächer organisiert die Diplom-Kunstpädagogin eigene Arbeitsgemeinschaften (AGs), an denen nicht nur die Schüler mit Migrationshintergrund, sondern auch alle anderen teilnehmen können. Neben einer AG zum Thema Kunst bietet sie auch eine Sport-AG an, in der Ultimate Frisbee ausgetragen wird. Dabei handelt es sich um einen Mannschaftssport, der mit einer 175 Gramm schweren Kunststoffwurfscheibe gespielt wird. "Damit kann sie die Schüler, vielleicht auch den ein oder anderen Kollegen begeistern", lobt Sybille Berndt diese Idee.

Das Programm hat zwar erst mit diesem Schuljahr begonnen, doch sowohl bei der Schulleiterin als auch bei Wilma Bräutigam selbst ist schon jetzt echte Begeisterung zu spüren. Doch was, wenn die zwei Jahre, die sie an der Schule sein wird, vorbei sind? "Ich versuche, hier möglichst viel zu etablieren. Ich will nicht alle Probleme für die Schüler lösen, sondern ihnen vor allem Lösungsmöglichkeiten an die Hand geben. Ich hoffe, dass die Ergebnisse dieser Arbeit über die zwei Jahre hinaus Früchte tragen", meint Wilma Bräutigam.

Auch die Schulleiterin sieht in der zeitlichen Begrenzung des Programms kein Problem. Wenn Wilma Bräutigam irgendwann die Schule verlässt, können wieder neue Fellows kommen, hofft sie und lobt die zusätzliche Arbeitskraft schon jetzt: "Frau Bräutigam kommt mit ganz viel Energie, Ideen und Anregungen. Deshalb sehe ich aktuell auch keine Grenzen bei dem Programm."


Chancengerechtigkeit im Bildungswesen soll verbessert werden

Seit diesem Schuljahr werden auch Bildungseinrichtungen im Raum Chemnitz und Dresden durch Fellows unterstützt, um Kinder und Jugendliche mit besonderem Bedarf im Unterricht zu begleiten. Entsandt werden die Fellows von der gemeinnützigen Bildungsorganisation "Teach First Deutschland". Die Idee stammt aus den USA. Ziel: Chancengerechtigkeit im Bildungswesen verbessern.

Bei Fellows handelt es sich um Absolventen verschiedener Studienrichtungen. Die Vertrauenspersonen werden drei Monate intensiv auf den Schuleinsatz vorbereitet. Sie arbeiten in Vollzeit als zusätzliche Lehrkräfte im Unterricht sowie außerhalb und werden für zwei Jahre an der jeweiligen Bildungseinrichtung bundesweit eingesetzt. Sie sollen Lehrern keine Konkurrenz machen, sondern sie entlasten, indem sie Aufgaben übernehmen, zu denen den Schulen die Zeit fehlt. Aktuell gibt es 130 Fellows an 114 Schulen. (rickh)

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