Aktionspause hilft neben Körper und Seele auch dem Teamgeist

Drei Fliegen mit einer Klappe werden neuerdings bei Mogatec geschlagen. Das liegt nicht etwa an einer modernen Erfindung des Grießbacher Garten- geräte-Herstellers, sondern vielmehr an einem Projekt für die Mitarbeiter.

Grießbach.

So starr die Dreh- und Frästeile sind, die jeden Tag bei Mogatec gefertigt werden, so beweglich und mobil sind viele Mitarbeiter des Gartengeräte-Herstellers aus Grießbach. Sport wird in der Firma groß geschrieben, wie zahlreiche Teilnahmen an Firmen- und Spendenläufen zeigen. Auch bei Fußball- und Volleyball-Turnieren ist Mogatec häufig vertreten. Sogar den Firmen-Biathlon in der Oberwiesenthaler Skiarena ließen sich die Grießbacher nicht entgehen, die zudem einen Fitnessraum in ihrem Unternehmen nutzen können.

"Das fördert die Gesundheit und das Klima unter den Mitarbeitern", sagt Sarah Bastian, die als Gruppenleiterin im Personalmanagent fungiert. "Dabei wollen wir uns immer wieder etwas Neues einfallen lassen", ergänzt sie und verweist auf Steve Nierobisch, der gerade wieder einmal im Haus unterwegs ist. Immer montags, mittwochs und freitags kommt der Gesundheitsexperte der Firma Health-Management Germany (HMG) vorbei, um mit den Mitarbeitern spezielle Übungen auszuführen. Obwohl er dabei wie ein Trainer wirkt, will er lieber als Physiotherapeut bezeichnet werden. Schließlich stehe nicht die Fitness im Mittelpunkt der Aktion, sondern die Gesundheit.


Ganze zehn Minuten dauern die Einheiten, von denen die ersten morgens 8 Uhr in der Ehrenfriedersdorfer Außenstelle beginnen. Schon wenig später ist Nierobisch in Grießbach, um dort jede Abteilung durchzugehen - von der Verwaltung bis hin zur Montage. Im Büro oder direkt vor den Maschinen: Überall wird sich zehn Minuten gedehnt, gestreckt und bei Partnerübungen auch mal unter die Arme gefasst. Lachen und Witze gehören dazu. In Anlehnung an DDR-Zeiten wird das Projekt auch gern mal "BSG" genannt. Statt Betriebssportgemeinschaft ist der Personalchefin die Bezeichnung Aktionspause aber lieber. Aktion und Pause sind schließlich zwei ganz wichtige Faktoren dieser Offerte, die den Mitarbeitern im Januar bei einer Umfrage unterbreitet wurde. Daraus resultieren individuelle Übungen, die seit März dreimal pro Woche umgesetzt werden.

"Das Feedback ist sehr positiv. Rund 90 Prozent unserer 264 Mitarbeiter nehmen teil", sagt Sarah Bastian, die selbst mittrainiert. Aus eigener Erfahrung weiß sie daher, wie groß der Nutzen der Einheiten ist: "Sie helfen der Gesundheit. Außerdem kann man mal kurz abschalten, wenn man den Kopf voll hat." Neben Körper und Geist profitiere zudem der Teamgeist von den Aktionspausen, denn die Mitarbeiter sind gemeinsam aktiv und kommen dabei meistens ins Gespräch. Dies wiederum trage dazu bei, die Mitarbeiterbindung zu festigen. Selbst bei der Gewinnung von neuen Arbeitskräften könnte sich diese innerbetriebliche Maßnahme auszahlen - da sie genau wie der Pausenraum mit Dartscheibe und Billardtisch dem Image gut zu Gesicht steht. Ob sich die gesundheitsbedingte Ausfallquote durch die Aktionspausen verändert hat, vermag Sarah Bastian angesichts des kurzen Zeitraums noch nicht zu sagen. Sie ist jedoch überzeugt, dass die Belegschaft für die Themen Bewegung und Gesundheit sensibilisiert wurde.


"Es geht nicht um Fitness, sondern um Gesundheit"

Steve Nierobisch ist einer der Trainer bei Mogatec. Andreas Bauer hat sich mit dem 32-jährigen Stollberger über die Ziele seiner Übungen unterhalten.

"Freie Presse": Woher wissen Sie, was den Mitarbeitern gut tut?

Steve Nierobisch: Unser Projekt begann ja nicht erst im März, sondern bereits Anfang des Jahres. Ab Januar haben wir viele Einzelgespräche geführt, um Schwerpunkte für die verschiedenen Abteilungen zu erarbeiten. Je nachdem, wie die Belastung aussieht, müssen verschiedene Muskeln gedehnt und gekräftigt werden.

Mit jeder Gruppe gehen Sie also verschiedene Übungen durch?

Es ist durchaus abwechslungsreich. Bei den Leuten aus der Vorfertigung geht es zum Beispiel vor allem um den unteren Rückenbereich. In der Montage sind eher der obere Rücken und der Nacken betroffen. Um Nacken und Schulter geht es auch im Büro in der Verwaltung. Dort können sich durch angewinkelte Beine auch schnell die Hüftbeuger verkürzen.

Reichen denn zehn Minuten am Tag, um wirklich fit zu werden?

Hier geht es nicht um Fitness, sondern um Gesundheit. Und da ist so eine Aktionspause schon sinnvoll, um etwas gegen die monotonen Bewegungen im Berufsalltag zu tun. Es ist eine Art Ausgleich: Muskeln, die eine hohe Spannung haben, werden auf diese Weise entspannt.


Alter macht sich bemerkbar

Bärbel Humann (61, Montage): Generell finde ich diesen Betriebssport sehr gut, denn nach den 25 Jahren im Unternehmen sind bei mir schon viele Muskeln ziemlich verspannt. Aber dadurch wird es mitunter auch schwierig. Wenn man älter wird, fällt einem vieles nicht mehr so leicht. Es gibt da einige Übungen, die sich hinterher bei mir deutlich bemerkbar machen. Dadurch gibt es auch Tage, an denen ich den Sport mal weglasse, so wie einige Kolleginnen auch. Einige Beschwerden sind sowieso nicht mehr wegzubekommen. Aber wenn immer ich mich einigermaßen gut fühle, lasse ich mir das nicht entgehen. (anr)


Locker in zweierlei Hinsicht

Erik Reimann (21, Warenausgang): Die Übungen helfen wirklich. Seit ich sie regelmäßig mache, fühle ich mich deutlich lockerer. Vor allem im Schulterbereich hilft mir der Sport enorm. Der war vorher durch das viele Heben auf Arbeit ziemlich verspannt. Locker werden aber nicht nur die Muskeln, auch unter uns Kollegen geht es während des Sports immer sehr locker zu. Da wird natürlich immer der eine oder andere Witz gemacht, so kann man auch mal kurz den Kopf freibekommen. Ärgerlich wird es nur, wenn ich Spätschicht habe. Dann verpasse ich nämlich dieses Super-Angebot. Ansonsten bin ich immer dabei. (anr)


Weniger Kopfschmerzen

Anja Böhm (39, Druckerei): Seit es dieses Sportangebot gibt, habe ich nur noch einmal im Monat Kopfschmerzen. Von daher gefällt mir dieses Angebot natürlich sehr gut. Auch im Rückenbereich spüre ich, dass es mir seitdem deutlich besser geht. Am liebsten würde ich auch in meiner Freizeit mehr für Körper und Gesundheit tun, aber wie das eben so ist: Familie und Haus spannen mich so sehr ein, dass kaum Zeit für solche Aktivitäten bleibt. Im Berufsalltag ist es dagegen ein fester Bestandteil, da kann man diese Aktivitäten gar nicht weglassen. Und in der Gruppe macht es natürlich noch mehr Spaß als allein. (anr)

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