Am Verkehrsknoten fehlt noch das Grün

Dank der Hartnäckigkeit der Zschopauer hat der Freistaat beim Straßenbau an der Waldkirchener Straße eine Menge Geld gespart. Für Ausgleichspflanzungen war indes lange Zeit nichts übrig.

Zschopau.

Der Ausbau des Verkehrsknotens Waldkirchener/Fritz-Heckert-Straße in Zschopau ist zwar seit mehr als einem Jahr Geschichte. Doch noch fehlt etwas. Niels Sigmund spricht von 16 Bäumchen, die am Straßenrand zu pflanzen seien. Seitdem das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) den letzten Abschnitt der Waldkirchener Straße saniert hat, drängt der Bündnisgrüne-Stadtrat auf die vom Gesetzgeber vorgesehene Ausgleichspflanzung.

Schon bevor die Bauarbeiten begannen, mischte sich Niels Sigmund federführend in die Planung der Straßenbaubehörde ein. Die Interessengemeinschaft (IG) Zschopau, deren Vorsitzender er ist, hatte gegen die ursprünglich geplante Kreisverkehrslösung Unterschriften gesammelt und eine Petition an den Landtag gerichtet. Hauptkritikpunkt: Für diese Verkehrslösung hätte fast die Hälfte der angrenzenden Roscherwiese überplant werden müssen. Zudem wären großflächige Aufschüttungen und Stützwände nötig gewesen.

Auf den öffentlichen Protest reagierte das Lasuv mit einer Vergleichsstudie. Neben dem Rondell wurden zwei weitere Varianten untersucht, die den Ausbau des Knotens zu einer Einmündung vorsahen. Weil dabei fast genauso viel Wiesenfläche wie bei der Kreisverkehrslösung verloren ginge, brachte die IG einen weiteren Vorschlag auf den Tisch: Die modifizierte Variante 3 sah vor, den Arm nach Waldkirchen um etwa 30 Meter in Richtung der alten Einmündung zu verlegen. Der Vorschlag traf nicht nur im Stadtrat auf Zustimmung, sondern führte auch zum Einlenken des Lasuv.

Mit der Umsetzung dieser Variante blieb letztlich nicht nur die Roscherwiese verschont, sondern auch der Geldbeutel des Steuerzahlers. Allein eine Stützwand bei der vom Lasuv bevorzugten Kreisverkehrslösung hätte rund 690.000 Euro gekostet, sagt Niels Sigmund nach Recherchen in den im Bauamt liegenden Planungsunterlagen. Die Bruttobaukosten für den Abschnitt der Waldkirchener Straße von der Kreuzung am Lindengarten bis zum Bauende mit Kreisverkehr bezifferte das Lasuv damals auf 1,96 Millionen Euro.

Deutlich unter dieser Planungsgröße lagen die tatsächlichen Ausgaben für die Einmündungsvariante. Die gleiche Baustrecke kostete 850.000 Euro, erklärt eine Lasuv-Sprecherin auf Anfrage von "Freie Presse". Auf einen Kostenvergleich zur eigenen Vorzugsvariante lässt sich die Behörde nicht ein. "Die Kosten für die Variante mit Stützmauer sind nicht direkt vergleichbar, da damit ein wesentlich weiterer Ausbau im Zuge der S 228 erfolgt wäre", begründet die Sprecherin.

Genau das zweifelt Sigmund an: "Ich kann keinen Unterschied an der Ausbaulänge erkennen, wenn ich mir die damaligen Pläne anschaue." Angesichts der erheblichen Einsparung versteht er zudem nicht, dass für Ausgleichspflanzungen bislang das Geld fehlte. Erst kurz vor Jahresende sei ein Anruf im Rathaus eingegangen, wonach jetzt Mittel bereitstünden.

Im Frühjahr soll gepflanzt werden, bestätigt die Straßenbaubehörde auf Nachfrage. Vorgesehen sind Apfel-, Pflaumen-, Kirsch- und Birnenbäume sowie Eberesche. Das Lasuv rechnet mit Ausgaben in Höhe von etwa 21.000 Euro.


Kommentar: Gigantomanie

Wer glaubt, dass die Behörden per se sparsam mit Steuergeldern umgehen, dürfte spätestens bei diesem Fall misstrauisch werden. Ein Kreisverkehr ist ja für den Verkehrsfluss eine feine Sache, aber eben nicht immer die sinnvollste Lösung. An der Waldkirchener Straße haben die Lasuv-Planer in Hanglage einen Kreisverkehr auf die grüne Wiese setzen wollen - scheinbar ohne auf Bodenressourcen und Kosten zu achten. Gegen den gesunden Menschenverstand, den viele Zschopauer bei einer Unterschriftensammlung an den Tag legten, führte das Lasuv an, sich an Standards beim Straßenbau halten zu müssen. Erst nach langwierigen Auseinandersetzungen mit der Stadt lenkte die Behörde ein. Insider behaupten ja, dass die großzügige Planung System hat. Das Budget in wenige große Projekte zu buttern, ist in einer Straßenbaubehörde wohl effizienter, als die zur Verfügung stehenden Mittel auf viele kleine Maßnahmen aufzuteilen.

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