Amtsberg heuert Uni für Dorfgestaltung in Weißbach an

Die Kommune hatte mit Studenten der Landschaftsarchitektur bereits in Schlößchen kooperiert. Nun sollen wissenschaftliche Mitarbeiter des Lehrstuhls in Weißbach tätig werden.

Weissbach.

Die Weißbacher Ortsmitte ist den Amtsberger Gemeinderäten wie auch den Anwohnern seit Jahren ein Dorn im Auge. Das leer stehende und marode Rathaus hatte die Gemeinde im vergangenen Jahr für 10.000 Euro vom damaligen Eigentümer zurückgekauft. Der Niederländer hatte es in einer Auktion erworben, danach aber Insolvenz angemeldet. Das 1860 erbaute Haus soll abgerissen werden. Seit 2006 steht die ehemalige Schule in dem Amtsberger Ortsteil größtenteils leer. Einzig das Erdgeschoss wird noch für die Unterbringung von Hortkindern genutzt.

Eine mögliche Umnutzung des Gebäudes soll nun eine Überlegung von vielen im Rahmen eines Forschungsprojekts des Institutes für Landschaftsarchitektur der TU Dresden werden. Die Gemeinde Amtsberg geht eine Kooperation mit dem Lehrstuhl ein, wie bereits vor fast vier Jahren für die Umgestaltung der Freiflächen vorm Generationenhaus "Lebensbaum" in Schlößchen geschehen. Eben dort beschlossen die Gemeinderäte nun in ihrer jüngsten Sitzung, den Lehrstuhl erneut zu engagieren - diesmal allerdings in einem eigens dafür gestarteten Forschungsprojekt.

Kosten wird das Amtsberg rund 20.000 Euro aus Eigenmitteln. Für eine Kommune dieser Größe sei das viel Geld, so Bürgermeister Sylvio Krause (CDU). Zum Vergleich: Sein Pilotprojekt "Lust auf Innenstadt" zur Entwicklung der sieben größten Erzgebirgsstädte lässt sich der Freistaat Sachsen 48.000 Euro kosten. Dennoch: Die bisherige Zusammenarbeit in Schlößchen habe gezeigt, dass sich der Blick der Landschaftsarchitekten lohne, so Krause. Wichtig sei aber, dass die Kommune nicht blind ein "von außen aufgestülptes Konzept" umsetze. Deshalb sollen Gespräche mit allen Betroffenen folgen.

Das Konzept von Louisa Schoeneich, Vertretung der Professur für Landschaftsarchitektur an der TU Dresden, soll die gesamte Weißbacher Ortsmitte betrachten - also das Areal zwischen Kirche und Mehrzweckhalle, Vereinsheim und Kita (siehe Grafik). Den demografiebedingten Rückbau in Kleinstädten hat das Institut schon in vergangenen Jahren zu seinem Schwerpunkt gemacht, etwa in Gutachten für die Städte Oschatz und Hoyerswerda. (mit hfn)


"Wichtig ist der Gesamtkontext. Was zeichnet die Region aus?"

Louisa Schoeneich, Landschaftsarchitektin an der TU Dresden, befasst sich mit der Weißbacher Ortsmitte. Sebastian Münster hat mit ihr gesprochen.

Freie Presse: Was geschieht nun als nächstes?

Louisa Schoeneich: Wir werden ein Team zusammenstellen. Wir brauchen Plankarten, Luft- und Satellitenbilder, Daten vom Statistischen Bundesamt. Außerdem müssen wir mit allen Beteiligten in Kontakt treten und uns deren Anmerkungen und Ideen für die Weißbacher Ortsmitte anhören.

Sie wollen das gesamte Areal betrachten. Was heißt das?

Wichtig ist der Gesamtkontext. Wofür stehen Ortsteil und Gemeinde? Was zeichnet die Region aus? Die Landschaft hat offensichtlich eine hohe Qualität. Daraus können sich Ideen für eine Umnutzung von Gebäuden und Freiflächen ergeben. Auch der Breitbandausbau in Amtsberg wird dafür eine Rolle spielen.

Was steht am Ende des Projekts?

In Oschatz haben wir Visionen für zwei Areale im Rahmen einer Gartenschau ausgestellt und mit Besuchern und Bewohnern diskutiert. Die Stadt hat dies als Grundlage für neue Bebauungspläne genutzt. Das könnte auch in Amtsberg funktionieren.

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