Amtsberg will keine neuen Windräder

Zwischen Weißbach und Gelenau plant eine Firma aus Mittelsachsen den Bau von fünf Anlagen. Im benachbarten Gemeinderat herrscht über dieses Ansinnen Skepsis.

Amtsberg.

Unerwarteten Besuch hat kürzlich Sylvio Krause erhalten. Beim Amtsberger Bürgermeister schaute ein Experte für Windenergie vorbei, der im Auftrag einer Firma aus Mittelsachsen unterwegs war. Sein Anliegen bezog sich auf die Fläche zwischen Weißbach und Gelenau, die nicht nur einen schönen Blick aufs Erzgebirge bietet, sondern sich offenbar auch für die Windenergiegewinnung eignet. "Die Firma plant, dort fünf Windkrafträder zu errichten", so Krause während der jüngsten Gemeinderatssitzung. Dass Krause seinem Gast die Ablehnung dieses Projekts deutlich zu verstehen gab, wurde im Gemeinderat begrüßt.

Obwohl sich die Gemeinderäte bei der Ablehnung einig waren, ist das Projekt längst nicht vom Tisch. Schließlich gehört die betroffene Fläche nicht der Gemeinde, sondern befindet sich in Privatbesitz. "Mit den Eigentümern hat die Firma schon Gespräche geführt", weiß Krause. Abgesehen vom Besuch eines Beauftragten habe die Gemeinde selbst dagegen noch keinen offiziellen Kontakt mit dem Unternehmen gehabt. Anlass zu Gesprächen gibt es derzeit laut Krause auch gar nicht, denn im aktuellen Regionalplan sei für diesen Bereich keine Nutzung von Windenergie vorgesehen. "Und der neue Regionalplan tritt wohl nicht vor 2021 in Kraft", ergänzt der Bürgermeister, der nichts von einem offiziellen Verfahren weiß, das an der aktuellen Konstellation etwas ändern könnte. Dennoch "warten wir darauf, dass das Landratsamt als zuständige Behörde in naher Zukunft einen Erörterungstermin einberuft". Dieser solle zeigen, was die Firma vorhat, was dafür und was dagegen spricht.

In den Augen von Krause ist der Informationsaustausch ein wichtiger Schritt, denn es handele sich um ein "heißes Thema, da prallen Philosophien aufeinander". Die Haltung der Kommune solle dabei nicht falsch verstanden werden: "Wir sind kein Gegner der Windkraft, das kann aber nicht überall geschehen." So gebe es durchaus die Möglichkeit, neben den schon existierenden Windrädern zwischen Gornau und Weißbach Standorte für weitere derartige Anlagen zu finden. Eine entsprechende Grundsatzentscheidung sei vor vier Jahren gefallen. Neben wirtschaftlichen und finanziellen gebe es aber eben auch andere Aspekte zu berücksichtigen. Dies betrifft einerseits die Geräuschbelastung für die Anwohner, die bei einer Entfernung der Anlagen von lediglich 750 bis 1000 Metern zur Gemeinde in Hauptwindrichtung durchaus zu befürchten sei. Anderseits erwartet die Gemeinde im Fall des neuen Standorts Richtung Gelenau in visueller und touristischer Hinsicht einen akuten Einschnitt.

"Auf dem ersten Höhenrücken nach Chemnitz genau in Sichtachse des Erzgebirges" solche Anlagen zu errichten, wäre für Krause nicht nachvollziehbar. Dass er sogar von einem "Albtraum für das Erzgebirge" spricht, liegt vor allem an den Ausmaßen der möglichen neuen Windkrafträder, die die bisherigen Dimensionen deutlich übertreffen. Die Nabenhöhe liegt laut Krause bei 160 Metern, "und dazu kommen nochmal die 80 Meter des Rotors."

So etwas würde das Landschaftsbild extrem prägen, zumal der Schlagschatten bis ins Dorf reichen könnte. Allerdings ist dem Amtsberger Bürgermeister auch bewusst, dass im regionalen Planungsverband weitere sogenannte "Vorranggebiete Wind" dazu kommen sollen. Dieser Bedarf sowie die Angst, dass die Firma aus Mittelsachsen in eine Gesetzeslücke vorstoßen könnte, lassen Krause auf einen baldigen Erörterungstermin mit dem Landratsamt hoffen. "Die juristische Grundlage ist schwierig", betont er.

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