Auch die Notlösung schmeckt delikat

Weil die Corona-Pandemie die Vorbereitung erschwerte, griff die Laienspielgruppe Dittmannsdorf auf altbewährten Stoff zurück. Ihr Theaterherbst wurde damit trotzdem zum Erfolg - und istnoch nicht vorbei.

Dittmannsdorf.

Es ist gut 20 Jahre her, dass sich Nils Wohmann und seine Mitstreiter zum ersten Mal beim britischen Fernsehen bedienten. "Das Publikum amüsierte sich prächtig, und auch für die Darsteller war es immer wieder ein Riesenspaß", sagt der Vereinsvorsitzende der Dittmannsdorfer Laienspielgruppe über "Fawlty Towers". Eine von Komiker John Cleese entwickelte TV-Serie, die in den 1970er-Jahren auf der Insel ebenso gut ankam wie seit 1999 auf der Bühne in Klein-Tirol. Auch die siebente Adaption einer Geschichte aus dem "Verrückten Hotel" - unter diesem Titel lief die Serie in Deutschland - erwies sich nun als Volltreffer, obwohl es sich um eine Notlösung handelte.

Präsentieren die Dittmannsdorfer bei ihrem alljährlichen Theaterherbst sonst ein bis zu drei Stunden langes Stück, so war diesmal bereits nach gut 60 Minuten alles vorbei. Enttäuscht verließ aber kein Zuschauer die Dittmannsdorfer Turnhalle, denn gelacht wurde trotzdem so viel wie immer. Der "Waldorfsalat" - so der Titel dieser Episode - bekam zwar den Hamiltons nicht allzu sehr. Kein Wunder, wurde das amerikanische Ehepaar doch von den etwas chaotischen Interims-Hotelbetreibern Cecil und Deryl Fawlty bedient. Dem Publikum schmeckten das Unwissen, die Notlügen und die Sprüche der Protagonisten dafür umso mehr. Als delikat lässt sich die Aufführung auch deshalb bezeichnen, weil es die Laienspielgruppe geschafft hat, aus der Not eine Tugend zu machen. Die Corona-Pandemie, die sowohl die Vorbereitung als auch das Stück selbst verkürzte, wurde zumindest indirekt mit eingebaut. So begab sich der eigentliche Chef, Basil Fawlty, mit seiner Gattin Sybil gleich zu Beginn wegen eines Virus' in Quarantäne und brachte das Chaos damit ins Rollen.

"Die Episode ,Waldorfsalat' gibt es wirklich. Wir haben sie für die aktuelle Situation aber etwas umgeschrieben", erklärt Torsten Wohmann. Nur so wurde es möglich, den Theaterherbst trotz vieler Unsicherheiten doch noch durchzuziehen. Geplant war ursprünglich ein eigenes Projekt. Die Adaption von "Das kalte Herz" wurde nach langer Überlegung aber verschoben. "Bei all dem Aufwand wäre das Risiko zu groß gewesen, ob wir es überhaupt aufführen können", sagt der Vereinsvorsitzende. Mit der kurzen Version eines Stoffs, den die Gruppe mittlerweile ohnehin im Blut hat, sei man auf Nummer sicher gegangen. "Da greift ein Zahnrad ins andere. Vom Umfang her war es leichter zu schaffen", sagt Wohmann über die Proben, die für die 20 Mitwirkenden diesmal deutlich weniger Zeit in Anspruch nahmen.

Viel zu tun hatten die Dittmannsdorfer dennoch, mussten sie sich doch neben den Proben und dem Aufbau der Bühne auch noch um das Hygienekonzept für die Halle kümmern. Und dann ist da ja noch das Teens-Projekt des Vereins, das seit zwei Jahren läuft. Auch die Nachwuchsdarsteller aus Dittmannsdorf, von denen die meisten zwölf und 13 Jahre alt sind, wollen trotz Corona ihr Können beweisen. "Zauberlehrling 2.0 - im Labyrinth der Buchstaben" heißt das mit vielen Wortspielen versehene Stück, das sie am kommenden Wochenende aufführen werden. Nach den insgesamt neun Darbietungen des "Waldorfsalats" ist der Dittmannsdorfer Theaterherbst also noch längst nicht vorüber. Auch die jungen Darsteller können sich auf ein großes Publikum freuen, denn ihre Vorstellungen sind ebenfalls ausverkauft.

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