Audienz im Königspalast für Pflegeschülerin aus Olbernhau

Mit einer innovativen Idee gewinnt eine Auszubildende einen Wettbewerb. Nun darf sie nach Stockholm fliegen. Das ist nicht der einzige Preis.

Olbernhau/Chemnitz.

Ein bisschen klingt die Geschichte von Annette Löser wie ein Märchen: Das Lieblingsland der 38-Jährigen ist Schweden. Mit ihrer Familie verbringt sie dort gern ihren Urlaub. Im Herbst, kurz nach Beginn ihrer Ausbildung zur Fachkraft in der Altenpflege, beteiligt sich die Olbernhauerin, die in Chemnitz Schülerin am Medicampus ist, an einem Wettbewerb für Pflege-Nachwuchskräfte. Initiatorin des Wettstreites um den Queen-Silvia-Nursing-Award (auf Deutsch etwa Königin-Silvia-Pflege-Preis) ist Schwedens Königin Silvia. Einen Tag vor Heiligabend - der 23. Dezember ist zugleich der Geburtstag der Monarchin - klingelt bei Annette Löser das Telefon. "Ich war in der Küche, als der Anruf kam, und ich erfuhr, dass ich gewonnen habe, nach Schweden fliegen und die Königin treffen darf", erinnert sich die Mutter eines Sohnes.

Mit dem Preis werden Innovationen von Nachwuchskräften im Pflegebereich ausgezeichnet. Unter 223Projekten von 117 Auszubildenden aus Deutschland setzte sich Annette Löser mit ihrer Idee von einer Hygieneklappe für das Krankenbett durch, in der Abfall schnell entsorgt werden kann. In der Schule sei sie auf den Wettbewerb aufmerksam geworden. "Dort habe ich eine Broschüre entdeckt und kurzerhand mitgemacht", erzählt sie.

Die gelernte Hotelfachfrau arbeitet seit 2015 in einem Pflegeheim. Bevor sie ihre Ausbildung im Altenpflegeheim "Waldblick" in Olbernhau begann, war sie dort im Nachtdienst tätig. "Da gibt es viel zu tun. Oft ist man auf sich allein gestellt", sagt sie. Es komme vor, dass sie in einem Zimmer aufräumt und verschmutzte Materialien in der Hand hält, aber zu einem Bewohner wegen eines Notfalls gerufen wird. "Dann muss ich den Abfall loswerden, aber ihn abzulegen, ist verboten", sagt sie. Deshalb sei ihr die Idee gekommen, unter dem Krankenbett eine Schublade mit Klappe anzubringen, in der Pflegekräfte schnell den Abfall loswerden können, um die Hände frei zu bekommen. Das sei hygienisch und spare Zeit. Warum ein Mülleimer unter dem Bett keine Lösung ist? "Dafür ist kein Platz, wenn man das Bett absenkt", sagt Annette Löser. Sie hofft, dass sich eine Firma für die technische Umsetzung ihrer Idee findet. "Ich wünsche mir eine kostengünstige Lösung. Vielleicht ist auch die Nachrüstung alter Betten möglich."

Am 2. April nimmt Löser im Königspalast von Stockholm die Auszeichnung aus den Händen der Königin entgegen. "Das ist besonders. Natürlich bin ich aufgeregt", sagt sie. Die Planung für den großen Tag hat längst begonnen. Am 1. April fliegt sie nach Schweden. "Es wird mein erster Flug", so Löser. In der Bibliothek des Schlosses wird sie einen Tag später vor internationalen Gästen inklusive Königin einen Vortrag über ihre Idee halten - auf Englisch. Im Palast will Löser etwas "Schlichtes und Schulterbedeckendes" tragen. Einen vorgegebenen Dresscode gebe es aber nicht.

Der Besuch im Königspalast ist nicht der einzige Preis, den Löser ihrer Erfindung zu verdanken hat. Neben einem Preisgeld von 6000 Euro erhält sie die Chance für ein sechsmonatiges Pflegepraktikum. "Der Preis wird auch in Finnland, Schweden und Polen vergeben. In diesen Ländern kann ich arbeiten", erklärt Löser. Das wird nach ihrer Lehre sein, vorher sei im eng getakteten Ausbildungsplan keine Zeit. Einen Teil des Geldes will sie in ein Paddelboot investieren, um für weitere Urlaube in Schweden gerüstet zu sein. "Dort finde ich Ruhe, ich mag die Seen, die einsamen Inseln und die Wälder", so die Olbernhauerin. Ruhe wird vorerst aber ein Fremdwort für sie bleiben. Nach ihrem Gewinn repräsentiert sie ihren Beruf bei Veranstaltungen. Kürzlich war sie bei einem Pflegekongress in Berlin zu Gast, im Frühjahr spricht Löser bei einer internationalen Tagung vor Pflegeschülern. Den Rummel um ihre Person mag sie nicht, sagt sie. "Aber ich liebe meinen Beruf und möchte ihn nicht missen."

Nach eigenen Erfahrungen in der Pflege ihrer demenzkranken Mutter hatte Königin Silvia nicht nur den Preis ins Leben gerufen. Die Monarchin mit deutschen Wurzeln gründete auch eine Stiftung. Zu ihr gehören eine Einrichtung, in der Demenzkranke nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen versorgt werden, und eine Schule für Pflegekräfte. Die Stiftung hilft Angehörigen und unterstützt die Demenzforschung.

In den 1990er-Jahren war die Mutter der Königin erkrankt, die Tochter holte sie nach Schweden. Dabei habe sie festgestellt, dass schwedische Pflegekräfte grundsätzlich gut ausgebildet seien, aber bei Demenz Nachholbedarf bestehe, sagt Annette Löser.


Das ist die Auszeichnung

Der Queen Silvia Nursing Award (Königin-Silvia-Pflegepreis) ist mit einem Preisgeld von 6000 Euro dotiert. Der Gewinner erhält ein Stipendium für ein sechsmonatiges Pflegepraktikum, das in Finnland, Schweden und Polen absolviert werden kann. Der Preis wird seit 2013 in Schweden verliehen, später kamen Finnland und Polen hinzu. Seit 2017 gibt es ihn in Deutschland.

Mitmachen können Azubis in Pflegeberufen mit Ideen zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Pflege. Die Preisträger besuchen Messen, stellen ihre Gewinner-Idee vor und repräsentieren den Pflegeberuf. (hfn)

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