Auf der Spur der Schwibbögen

Menschen sind kreativ. Überall wird gewerkelt, gemalt, gereimt, geklöppelt, entstehen kleine und große Kunstwerke. "Freie Presse" hat durchs Schlüsselloch geschaut. Heute bei: Heike und Wolfgang Lorentz

Marienberg.

Heike und Wolfgang Lorentz haben eine Mission: Sie dokumentieren die erzgebirgischen Ortsschwibbögen und bauen sie als Miniaturen originalgetreu aus Sperrholz nach. Dabei hat das Paar aus Wennebostel, einem Ortsteil von Wedemark bei Hannover, die Erfahrung gemacht, dass diese fest installierten Wahrzeichen in den Städten und Dörfern oft als selbstverständlich hingenommen werden. "Betriebsblind" nennen das die beiden Erzgebirgs-Liebhaber. Dass das so ist, finden sie schade. Schließlich handelt es sich um erzgebirgisches Kulturgut, meinen Heike und Wolfgang Lorentz.

Begonnen hatte diese besondere Leidenschaft vor Jahren aus einer Not heraus. Heike Lorentz wollte selbst einen Schwibbogen haben. Doch die Kinder waren noch klein, die Kasse klamm. Also bauten die beiden sich selbst einen Schwibbogen. Mittlerweile sind sie stolze Besitzer von insgesamt 122 Exponaten der Marke Eigenbau. Darunter befinden sich 42 Nachbauten, unter anderem die Ortsschwibbögen aus Marienberg, Olbernhau, Lengefeld, Görsdorf, Reitzenhain und Cämmerswalde.

Fünfmal pro Jahr kommen die Eheleute mittlerweile ins Erzgebirge, um sich mit den erzgebirgischen Wahrzeichen zu beschäftigen. Die Region ist längst zu ihrer zweiten Heimat geworden. Viele Freunde haben sie während dieser Zeit kennengelernt, und die Natur in der Region schätzen sie ebenfalls.

Jeder Schwibbogen hat eine Geschichte. Diese gilt es, nach der Meinung von Heike und Wolfgang Lorentz zu bewahren. Das bedeutet auch, dass sie teilweise wiederentdeckt werden muss. Selbst die Namen einiger ihrer Schöpfer sind bereits vergessen.

Die Arbeiten aus DDR-Zeiten schätzen die Niedersachsen besonders. "Das sind noch so richtige Gemeinschaftswerke", sagt der 60-Jährige. Oft musste beim Material improvisiert und organisiert werden. Jeder der Beteiligten konnte irgendetwas Besonderes beitragen. Einweihungen mit Posaunenchor, Kapelle und Laudatio, so wie sie heutzutage stattfinden, gab es früher kaum. "Oft standen die Schwibbögen plötzlich da und gehörten dann schon bald wie selbstverständlich zum Erscheinungsbild", hat das Paar immer wieder erfahren. Diese Geschichten, die hinter den Bauwerken stehen, wollen die beiden sammeln, dokumentieren und in einem Bildband veröffentlichen. Bislang haben sie etwa 80 Exponate im Erzgebirge samt GPS-Daten erfasst. Dabei sind sie aber auch immer auf die Hilfe der Erzgebirger angewiesen.

Eines der schwierig zu recherchierenden Beispiele ist etwa Sayda. Dort steht ein Schwibbogen nahe der Tankstelle, dessen Hintergründe für Heike und Wolfgang Lorentz bislang im Dunklen geblieben sind.

www.schwibbogen-wedemark.de

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