Auf zwei "Gleisen" gegen den Windpark

Die Stellungnahme zum Antrag einer Freiberger Firma ist für Amtsberg ein Weg, den Bau riesiger Windräder zu verhindern. Gleichzeitig rüstet sich die Gemeinde mit der Planung der Ortsentwicklung.

Amtsberg.

Mit der Übergabe einer Unterschriftensammlung an Landrat Frank Vogel hat die Bürgerinitiative "Gegenwind Amtsberg" in diesem Monat ein weiteres Zeichen gesetzt. Gut 1300 Personen hatten das Dokument unterzeichnet, das sich gegen den Bau eines Windparks im Amtsberger Ortsteil Weißbach richtet. "Inzwischen wurde uns auch der Eingang bei der Genehmigungsbehörde bestätigt", sagt Sprecher Michael Schubert, der mit seinen Mitstreitern das Vorhaben einer Freiberger Firma verhindern will. Das gleiche Ziel verfolgt der Amtsberger Gemeinderat, der bei seiner Sitzung am Montagabend mit weiteren Beschlüssen Stellung bezog.

Nachdem bereits im Oktober über die Aufstellung von zwei Bebauungsplänen beraten worden war, die auch den Standort der geplanten Windkraftanlage betreffen, wurden nun Nägel mit Köpfen gemacht. Mit jeweils nur einer Gegenstimme wurden beide Pläne beschlossen. Sie betreffen den 18 Hektar großen Bereich "Wiesenweg - Gelenauer Straße" sowie weitere 149 Hektar an der "Gelenauer Straße Südwest". In beiden Fällen sprach sich der Gemeinderat mit großer Mehrheit zudem für Veränderungssperren aus. Zur Sicherung der beschlossenen Planung sind wesentliche Veränderungen von Grundstücken und baulichen Anlagen damit nicht gestattet.

Laut Bürgermeister Sylvio Krause treibt die Kommune mit diesen Beschlüssen ihre Siedlungsentwicklung voran, in deren Zuge bereits im August Entscheidungen getroffen worden waren. Unter anderem war damals der Flächennutzungsplan geändert worden, um weitere Baugebiete ausweisen zu können. Im Vergleich zur ursprünglichen Version fällt die nun beschlossene Fläche noch größer aus. Interessen von Immobilieninvestoren, Grundstückseigentümern und der Gemeinde sollen so gebündelt werden. "Ziel des Bebauungsplans ist die Schaffung attraktiven neuen Wohnraums in einer landschaftlich ansprechenden, ländlich geprägten Umgebung", heißt es in der Begründung.

Genau jenen ländlich geprägten Charakter sieht die Kommune durch die mögliche Errichtung von vier großen Windrädern gefährdet. Ebenso werde aufgrund des entstehenden Lärms sowie des Schattenwurfs ein Wertverlust der Grundstücke befürchtet. Dabei blickt Krause nicht nur auf den Bereich direkt an der Anhöhe zwischen Weißbach und Gelenau. "Irgendwie wären alle Flächen in irgendeiner Weise betroffen", so der Bürgermeister.

Im Kampf gegen den geplanten Windpark setzen die Amtsberger nicht nur auf Konzepte für die Zukunft, sondern gehen zweigleisig vor. Neben der Ortsentwicklung arbeitet die Kommune auch akribisch an ihrer Stellungnahme zum Genehmigungsantrag der Firma. "So wie er beim Landratsamt vorliegt, würde unser Einvernehmen versagt werden", erklärte Krause, der ein im Antrag enthaltenes Naturschutz-Gutachten für unvollständig hält. Die Umweltverträglichkeit müsse noch eingehender untersucht werden, so die Überzeugung der Gemeinde, die sich bei ihrem Vorgehen stets mit Rechtsanwälten abspricht und daher auch auf juristische Kleinigkeiten achtet. So durften bei den Beschlüssen zum Bebauungsplan drei Gemeinderäte wegen Befangenheit nicht mit abstimmen. Nur zum Teil handelte es sich dabei um selbst betroffene Eigentümer von Grundstücken. Weil schon die Verwandtschaft zu Besitzern kritisch gesehen werden könnte, betonte Krause: "Wir lassen Vorsicht walten."

Bei der nächsten Gemeinderatssitzung im Dezember dürfte der beantragte Windpark noch einmal zum Thema werden. Schließlich muss die Kommune kurz vor Weihnachten ihre Stellungnahme zum gemeindlichen Einvernehmen beim Landratsamt abgeben.

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