Aufräumaktion bringt eine Leidenschaft zum Vorschein

Als ihre Kinder auszogen, hatten Marion und Dieter Uhlig plötzlich eine Menge Trödel vor sich. Statt die alten Gegenstände wegzuwerfen, entdeckte das Zschopauer Ehepaar ein neues Hobby für sich.

Zschopau.

Fast jedes Wochenende reisen Marion und Dieter Uhlig in eine andere sächsische Stadt. Unter anderem hat ihr Weg sie schon nach Leipzig und Dresden geführt, wo sich die Zschopauer allerdings nicht für Sehenswürdigkeiten interessierten. Im Gegenteil: Kleine Dinge, die andere nicht mehr brauchen, faszinieren das Ehepaar. Auf Trödelmärkten schauen sie sich um, bieten aber auch am eigenen Stand viele solcher alter Gegenstände an. Vom kleinen Plüschtier über Vasen aus Keramik und Kristall bis hin zu einer Dampfmaschine aus den 1930er-Jahren ist vieles dabei.

"Es ist eine Mischung aus allem - ein buntes Repertoire", sagt Dieter Uhlig beim stolzen Blick auf den prall gefüllten Tisch vor seinem Auto. Dort passt natürlich nicht alles hin, sodass viele Produkte auch auf dem Boden ausgebreitet werden. Seit mittlerweile 15 Jahren preisen die Zschopauer so ihre Gegenstände an, die die heimische Garage fast zum Überquellen bringen. Dazu gehen eigene Entdeckungen auf Trödelmärkten ebenso wie Dinge, die Freunde und Bekannte einfach bei den Uhligs abgeben. Sie wissen, dass der Trödel dort in guten Händen ist und auf diese Weise wahrscheinlich doch noch einen Nutzen hat, statt einfach im Müll zu landen.

"Los ging alles damit, dass unsere Kinder ausgezogen sind", berichtet Dieter Uhlig: "Da waren noch so viele Sachen da, die sie nicht mitgenommen haben und wir nicht mehr brauchten." Weil der heute 64-Jährige und seine Frau zuvor schon auf einem Flohmarkt gewesen waren, kam ihnen die zündende Idee. Sie brachten die scheinbar nutzlosen Dinge doch noch an den Mann - oder die Frau. Dabei ergaben sich viele interessante Gespräche mit der Kundschaft, aber auch mit anderen Händlern. Das Flair auf den Märkten gefiel den Uhligs einfach. "Daraus ist eine Leidenschaft geworden", sagt der Ehemann heute.

Sich mit anderen Menschen zu unterhalten mache ebenso viel Spaß, wie die Geschichten zu entdecken, die hinter dem Trödel stecken. "Hier fehlt noch die Angel. Das wollte ich schon länger mal reparieren", sagt der 64-Jährige und zeigt auf einen Eisenteller. Auf den ersten Blick nichts Besonderes, doch dann fällt dort der kleine Junge auf. Er sitzt auf einem Steg, der den Teller als Schwimmbecken erscheinen lässt. Doch eigentlich verbirgt sich hinter dem Ganzen eine Sonnenuhr, die aber erst funktioniert, wenn die Angel installiert ist, um per Schattenwurf die Zeit anzuzeigen.

Zum Reparieren ist Dieter Uhlig mitunter gezwungen, denn alles soll auch wieder verkauft werden. Der Preis ist stets Verhandlungssache. Ab 50 Cent für die ganz kleinen Sachen lässt das Ehepaar mit sich reden. Doch es können auch mal 75 Euro sein - so wie für den Schrankkoffer aus den 1920er-Jahren, den die Zschopauer vergangenen Samstag zu bieten hatten. Diesmal durften sie ihren Trödel endlich wieder einmal in ihrer Heimatstadt anbieten. "Der Nachtflohmarkt im alten MZ-Werk war eine ganz feine Sache", blickt Dieter Uhlig zurück. Weil die Halle aber nicht mehr genutzt werden kann, gab es in der Motorradstadt lange keine derartigen Veranstaltungen mehr. Umso erfreuter war das Ehepaar, als der Gewerbeverein "Unser Zschopau" anlässlich des Herbstfestes einen Trödelmarkt organisierte. "Das schöne Altstadtflair passt zum Trödel", sagt der 64-Jährige, für den feststeht: "So etwas sollte es hier öfter geben." Dann müssten die Uhligs nicht jedes Wochenende auf Reisen gehen.

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