Belgische Reporter berichten über Schatzsuche

Journalisten von "Het Nieuwsblad" haben den Poppenwald und das Kloster Grünhain besucht. Was hofften sie, zu finden?

Aue/Schwarzenberg.

Wenngleich noch kein Goldbarren gehoben und kein noch so winziger Splitter des verschollenen Bernsteinzimmers aus einem Stollen gekratzt worden ist: Der Mythos um Schätze, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs versteckt worden sein sollen, lebt weiter. Jüngst hat sich die zweitgrößte belgische Tageszeitung, "Het Nieuwsblad", der Geschichten um Nazigold und verbuddelte Raubkunst angenommen. Fünf Tage berichteten Reporter Kristof Bohez und Fotograf Frank Bahnmuller in einer Artikelserie über Schatzsucher und potenzielle Schatzverstecke aus Deutschland und Österreich.

Für die Folge um die Jagd nach dem Bernsteinzimmer waren die Journalisten eigens ins Westerzgebirge gekommen. Sie ließen sich durch den Poppenwald bei Wildbach führen und liefen durch das alte Zisterzienserkloster in Grünhain, bewunderten den Templerstein in der Wand des ehemaligen Kloster-Langschuppens und statteten dem Kostümfundus einen Besuch ab. Aber natürlich ging es ihnen nicht um Trachten, sondern um angebliche Hohlräume unter dem Kloster, die bis heute unentdeckt sind.


Grünhain und der Poppenwald sind durch die Suche des Privatdetektivs Dietmar Reimann (†2011) nach dem Bernsteinzimmer miteinander verbunden. Im Poppenwald vermutete er das Versteck des Achten Weltwunders, im Grünhainer Kloster waren seiner Theorie zufolge Bernstein-Paneele versteckt, die keinen Platz in dem Bergwerksstollen gefunden hatten, nach dem Reimann im Poppenwald 20 Jahre vergeblich suchte. Auch seine Grabungen im Jahr 2003 im Kloster Grünhain blieben erfolglos.

Die belgischen Journalisten sprachen mit Angehörigen von Reimanns Grabungsteam, Hobbyforschern und dem Sohn eines Mannes, der in der Schatzsucherszene als der einstiger Gralswächter des Poppenwalds gilt. Hinterher rauchten ihnen die Köpfe, wie Reporter Kristof Bohez im Gespräch mit der "Freien Presse" sagte. Alles geglaubt, was ihnen aufgetischt wurde, haben er und sein Kollege nicht. Aber: "Diese Geschichte hier ist das spannendste Kapitel unserer Serie."

Auf der nach oben offenen Mythen-Skala schlug das Westerzgebirge unter anderem die Schorfheide mit Görings Landsitz Carinhall und die Region Salzkammergut in Österreich mit dem Toplitzsee, in dem immerhin schon kistenweise Nazi-Falschgeld gefunden wurde. Sollte im Poppenwald auch eine Entdeckung gemacht werden, würden Bohez und Bahnmuller gerne wiederkommen. Eine Chance gibt es. Die Wissenschaftliche Arbeitsgruppe Poppenwald hat sechs Stellen festgelegt, an denen neue Erkundungsbohrungen gemacht werden sollen.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...