Bescherung bedarf keiner Übung

Auf ihrgewohntes Training müssen die vier Drebacher Jugendfeuerwehren schon seit Monaten verzichten. Trotzdem durften sich die Kinder und Jugendlichen nun über eine Überraschung freuen.

Drebach.

Schlauchfußball sei die Aktivität, die ihnen am meisten fehlt. "Auf jeder Seite stehen dabei zwei Spieler, die den Ball mit dem Wasser aus ihren Schläuchen ins andere Tor bringen wollen", erklärt die zehnjährige Hanna Arnold. "Zwischen zwei Kegeln muss der Ball durch", ergänzt der ein Jahr jüngere Henry Reuter, der auch gern mal wieder treffen würde. Allerdings hatten die beiden Mitglieder der Drebacher Jugendfeuerwehr und ihre 13 Kameraden schon länger keine Gelegenheit dazu. "Seit Herbst können wir wegen der Corona-Pandemie nicht mehr üben", sagt Jugendwehrleiter Kay Arnold, der nun eine kleine Ausnahme erlebte.

Kurz vor dem harten Lockdown gab es am örtlichen Feuerwehrdepot eine vorzeitige Bescherung. Stellvertretend für die ganze Gruppe nahmen dabei Hanna Arnold und Henry Reuter 15 Geschenkbeutel entgegen, die für kurze Zeit das zurückbrachten, was die Arbeit in der Jugendwehr ausmacht: Spaß. "Ohne den geht es einfach nicht. Natürlich versuchen wir immer, möglichst viel Wissen zu vermitteln, aber das funktioniert nur auf spielerische Weise", erklärt Kay Arnold. Übungseinheiten per Video würden daher in seinen Augen nichts bringen. Den Kindern ohne direkten Kontakt und die sich dabei entwickelnden Gespräche Freude zu bereiten, sei fast unmöglich, zumal nicht alle der 8 bis 16 Jahre alten Mitglieder über die technischen Voraussetzungen für solch ein digitales Training verfügen.

Ganze sieben Mal kamen die jungen Kameraden, die sich normalerweise alle zwei Wochen treffen, in diesem Jahr zusammen. Neben dem ausgefallenen Training schmerzt vor allem die Absage des Badeausflugs und des Zeltlagers, die sonst vom Kreisverband organisiert werden. "Zum Camp gehört immer der Jugendleistungsmarsch, der vier Kilometer lang ist und acht Stationen mit Aufgaben umfasst", so Arnold. Diese Standortbestimmung mit Hunderten Teilnehmern lieferte in der Vergangenheit stets Aufschlüsse darüber, woran noch gearbeitet werden muss. 2020 ist dem Drebacher zufolge angesichts der Zwangspausen im Frühjahr und seit Herbst aber ohnehin klar, dass es "in allen Bereichen viel Nachholbedarf gibt".

Sorgen bereitet Kay Arnold auch der fehlende Nachwuchs. Zwar würden alle Kinder zur Stange halten, aber Neuzugänge gibt es in diesem Jahr nicht. Veranstaltungen, bei denen mit Aktionen Interesse in der Bevölkerung geweckt wurde, gab es 2020 nicht. "Das könnte zum Problem werden", sagt Arnold, der sich umso mehr über das Engagement von Uwe Reichardt freut. Der Drebacher, der in die Rolle des Weihnachtsmanns schlüpfte und mit seinen Präsenten für strahlende Gesichter und Motivation sorgte, war als Kind selbst aktiv. "Damals wurden wir junge Brandschutzhelfer genannt", erinnert sich Reichardt. Der Geschäftsführer einer Drebacher Hausbaufirma unterstützt noch immer die Feuerwehr - in Form von Spenden für die Jugend.

Diesmal wurden für 1500 Euro knapp 70 Geschenkbeutel besorgt, die nicht nur in Drebach Freude weckten. Auch für die Jugendwehren der Ortsteile Venusberg, Grießbach und Scharfenstein gab es eine vorzeitige Bescherung. Und so einen Trost für die Corona-Pause, deren Ende Hanna Arnold und Henry Reuter herbeisehnen: "Hoffentlich können wir bald wieder Schlauchfußball spielen."

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