Biogasanlage: Bauer präsentiert Plan B

Während Behörden sich weiter mit der Prüfung des Bauantrags beschäftigen und Gegner bereits recht- liche Schritte ankündigen, hält der Landwirt aus Börnichen an seinen Plänen fest - stellt aber auch eine Alternative vor: Ackerbau statt Strom aus Biomasse.

Börnichen.

Thomas Hunger biegt mit seinem Traktor von der Straße auf einen Feldweg ab. Die Richtung des Landwirts aus Börnichen ist klar. Der Milchbauer will auf seinem am Ortsrand Richtung Grünhainichen gelegenen Hof eine Biogasanlage errichten. Eine "kleinere Einzelanlage" mit einer Leistung von 75 Kilowatt, sagt er. Der aus der Biomasse erzeugte Strom soll sowohl für den Eigenbedarf genutzt als auch ins Ortsnetz eingespeist werden.

Obwohl das Vorhaben im Ort wegen verschiedener Bedenken von Anfang an auf Widerstand stößt und der Gemeinderat sich einstimmig gegen das sogenannte gemeindliche Einvernehmen zum Bau einer Biogasanlage ausgesprochen hat, will Hunger an seinen Plänen festhalten. Das letzte Wort, ob er eine Baugenehmigung erhält oder nicht, hat dasLandratsamt.

Die Behörde: "Der Bauantrag befindet sich in der Genehmigungsprüfung", teilt das Landratsamt des Erzgebirgskreises auf "Freie Presse"-Anfrage mit. "Es wurden neben der Gemeinde alle Behörden gehört, ohne deren Stellungnahme die Genehmigungsfähigkeit des Bauantrages nicht beurteilt werden kann", informiert das Referat Bauaufsicht weiter. "Da jedoch noch nicht alle Stellungnahmen vorliegen, kann dem Ergebnis der fachbehördlichen Prüfung und der Genehmigungsentscheidung nicht vorgegriffen werden", so die Pressestelle der Kreisbehörde abschließend.

Der Bürgermeister: Dass die Gemeinde nicht über Baurecht entscheiden kann, weiß Börnichens Bürgermeister Frank Lohr (parteilos). Und somit auch, dass der Mitte Juli getroffene Ratsbeschluss bei der Entscheidungsfindung in Annaberg-Buchholz nur eine Nebenrolle spielen wird. Daran ändern auch die mehr als 300 Unterschriften nichts, die Gegner der Biogasanlage gesammelt und im Rathaus abgegeben haben, so der Ortschef der rund 1000 Einwohner zählenden Gemeinde. Viele Börnichener befürchten neben einer erhöhten Geruchsbelästigung auch eine Vergrößerung des Tierbestandes sowie eine Zunahme des Transportverkehrs durch Futter- und Güllezukauf, wenn die Anlage in Betrieb genommen wird. Sollte eine Baugenehmigung erteilt werden, haben Lohr zufolge Bürger bereits rechtliche Schritte angekündigt.

Falls grünes Licht aus der Kreisstadt kommen sollte, schließt der Bürgermeister auch einen "gewissen Aufruhr" im Ort nicht aus. In diesem Falle hoffe er, dass der Betrieb der Anlage - wie vom Betreiber behauptet - keine Belastung für Anwohner darstelle, die Lebensqualität nicht darunter leide und "sich die Wogen so schnell wieder glätten", betont Lohr. "Vor ein paar Jahren beim Bau des Windrades war es ja ähnlich."

Der Bauer: "Wenn ich die Baugenehmigung erhalte, wird die Anlage gebaut", sagt Thomas Hunger. Er habe nicht vor, den Betrieb zu vergrößern. "Ich will ihn nur optimieren", so der Chef des Familienbetriebs, den er seit 2001 zusammen mit seiner Lebensgefährtin betreibt. "Es wird nicht mehr stinken als jetzt", versichert der Landwirt. Im Gegenteil. Da die Anlage gasdicht abgeschlossen und im alten Becken quasi nur noch "gereinigte" Gülle gelagert werde, dürfte die Geruchsbelästigung eher geringer werden. Ein Zukauf von Gülle und Futter sei nicht erforderlich. Der Viehbestand - je 70 Milchkühe und Jungtiere - soll ebenfalls nicht vergrößert werden.

Allerdings, schränkt der 35-Jährige ein, gebe es auch eine Alternative. Statt aus Biomasse Strom zu erzeugen könne er sich vorstellen, verstärkt Ackerbau als zweites wirtschaftliches Standbein neben der Milchproduktion zu betreiben. "Dafür müsste ich aber mehr Ackerfläche pachten", erläutert der Biobauer seinen Plan B. In und um Börnichen gebe es einige Flächen, die dafür in Frage kommen würden, hofft Hunger auf Pachtverträge mit den Besitzern.


Bauernland Agrar ohne Erfolg

In Großolbersdorf sind vor einigen Jahren die Pläne der Bauernland Agrar AG für den Bau einer Biogasanlage auf dem Gelände der Motorenwerke Zschopau im Ortsteil Hohndorf gescheitert. Die Bauernland Agrar hatte bereits 2013 ihr Vorhaben auf Eis gelegt, nachdem das dafür infrage kommende Grundstück nach der Insolvenz von MZ unter Zwangsverwaltung gestellt worden war. Zwei Jahre später gab sie das Vorhaben ganz auf. Vor allem unter den Hohndorfern gab es Widerstand. Anwohner fürchteten eine mögliche Geruchs- und Lärmbelästigung. Eine Bürgerinitiative hatte sich seit Bekanntwerden der Pläne gegen den Bau der Biogasanlage einsetzt. Im Oktober 2011 legte die Bürgerinitiative eine Liste mit 531 Unterschriften von Großolbersdorfer Einwohnern gegen den Bau der Biogasanlage vor.

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