Blitzforscher bitten Erzgebirger um Hilfe

Im Sommer 2018 hat ein Kugelblitz in Schwarzenberg eingeschlagen und für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt melden sich Experten und sagen: Da muss mehr sein.

Schwarzenberg.

Ein Kugelblitz, der am 10. Juni dieses Jahres aus heiterem Himmel am Schlosswald in Schwarzenberg einschlug, hat nicht nur Irmtraud Barnitzke und ihren Mann Jürgen erschreckt, sondern auch für Schlagzeilen gesorgt. Denn das Ehepaar aus Schwarzenberg, das gerade mit dem Auto nach Hause kam, hatte den grell-gelben und dann blau leuchtenden Lichtball direkt vor Augen, der durch die Bäume, über die Straße, zur Brücke rollte und dann im Fluss verschwand.

Der Bericht der Augenzeugen über das Naturschauspiel, veröffentlicht in der "Freien Presse", rief Blitz-Experten auf den Plan.

Jener positive Erdblitz von über 39.000 Ampere - so ergab die Blitzortung - führte zu dutzenden Elektronikschäden in nahen Gebäuden. Gleichzeitig war ein Lichtball zu sehen. Claudia Hinz, Beobachterin der Wetterwarte Fichtelberg, erinnerte das an einen ähnlichen Fall. Da wanderte am 10. Mai 1965 bei Gewitter und Schneetreiben eine helle Kugel übers Antennenkabel ins Stationshaus, wo sie zerplatzte. Auch Karl-Heinz Hentschel aus Karlsruhe meldete sich zu Wort. Er hat zum Phänomen der Kugelblitze geforscht und 22 Fallbeispiele zusammengetragen. Wissenschaftlich sei nachgewiesen, dass Kugelblitze aus nahen Blitzschlägen (Erdblitzen) entstehen. 2017 war der Freistaat Sachsen laut einer Statistik des Blitz-Informationsdienstes von Siemens das blitzreichste Bundesland mit fast 38.000 Erdblitzen, mehr als zwei pro Quadratkilometer. Im Erzgebirgskreis wurden 4884 Blitze registriert und erhöhten die lokale Blitzdichte sogar auf 2,7. Bei solchen Werten wundert es Claudia Hinz ebenso wie den Salzburger Meteorologen Alexander Keul, dass sie nur so selten etwas von Kugelblitzen im Erzgebirge hören. Immerhin zählt allein die Wetterwarte Fichtelberg etwa 23 Gewittertage pro Jahr.

"Vielleicht wissen die eigentlich sehr wetterinteressierten und mitteilsamen Erzgebirger einfach nicht, wem sie ihre Beobachtung melden können", vermutet Hinz. Bei einem Besuch des Salzburgers auf der Wetterwarte in Oberwiesenthal entstand die Idee, über die "Freie Presse" einen Aufruf an lokale Beobachter zu richten. Denn die Wetter-Experten sagen, dass Berichte über derartige Blitze für die Forschung von großem Interesse sind.

Meldungen über Kugelblitze, auch über solche, die länger zurückliegen, nimmt Claudia Hinz unter Telefon 037348 20098 oder per E-Mail entgegen: claudia.hinz@web.de.

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