Brand im Katzenhaus tut tierischem Spaß keinen Abbruch

In seinem 30. Jahr kommt das Zschopauer Weihnachtsmärchen moderner daher als sonst. Neben der Technik sorgt auch ein dramaturgischer Kniff für den Bezug zur Gegenwart.

Zschopau.

Wer es nicht besser weiß, könnte glatt vermuten, er habe gerade den Moonwalk in der Aula der Zschopauer Nexö-Schule erlebt. Doch der einzigartige Gang führt nicht nach hinten, sondern nach vorn. Und es ist auch nicht Michael Jackson, der seine Knie hebt, sondern Erik Sigmund. Als Baron von Köckeritz stolziert er in einem Hahnkostüm über die Bühne, sofern er nicht gerade salutiert. Er ist einer der tierischen Gäste, die sich gern auf den Partys von Gräfin Koschka amüsieren - und zwar in deren Katzenhaus. Die gleichnamige Geschichte des russischen Autors Samuil Marschak haben das Zschopauer City-Ballett und die Theatergruppe als Weihnachtsmärchen inszeniert, wobei Baron von Köckeritz nicht die einzige Figur ist, die das Publikum zum Lachen bringt.

Humor gehört zu den Vorführungen einfach dazu, die in der Zschopauer Adventszeit längst zur Tradition geworden sind. Erst recht in diesem Jahr, denn es handelt sich um das 30. Weihnachtsmärchen. Zusammen mit Anja Kolditz hat City-Ballett-Leiterin Rosmarie Huszar das Lieblingsbuch aus ihrer Kindheit ausgewählt, das passend zum Jubiläum eine Besonderheit mit sich bringt. Ausschließlich tierische Helden machen diese Geschichte aus, die auf der Zschopauer Bühne dann aber doch einen menschlichen und damit modernen Anstrich erhält. Eingebettet ist das Märchen nämlich als Traum in die Erlebnisse einer Jugendlichen, die nach einer Party ihre Freunde genauso vermisst wie Gräfin Koschka.

Modern ist nicht nur das Handy, mit dem die junge Dame vergeblich nach Helferinnen für ihre Aufräumaktion nach der Party sucht. Auch der Projektor, der Gebäude und Flammen auf die Wand oberhalb der Bühne zaubert, verleiht dem Weihnachtsmärchen erstmals einen digitalen Touch. Die meiste Zeit steht aber freilich das Geschehen weiter unten im Fokus. Dort, wo Baron von Köckeritz und die anderen tierischen Gäste zunächst die überschwängliche Party von Gräfin Koschka genießen, lassen sie die Hauptfigur nämlich schon bald im Stich. "Wer solche Freunde hat, braucht wahrlich keine Feinde", meint Butler Igor, als er mit seiner Herrin bei den Bekannten vergeblich um Unterkunft bittet, nachdem das Katzenhaus mit seinen 22 Zimmern abgebrannt ist. Er und ein kleiner Hund sind scheinbar die einzigen treuen Begleiter, die der Gräfin Koschka zur Seite stehen.

Selbst Baron von Köckeritz verwehrt den Eintritt, weil er sein unaufgeräumtes Heim für nicht standesgemäß hält. "Aber die Einladung zum Gartenfest steht", ergänzt der Gockel noch, ehe die vergebliche Suche der Gräfin weitergeht - und ihr die Augen für wahre Freundschaft öffnet. Denn Zuflucht findet sie ausgerechnet bei den beiden Katzenwaisen, die sie einst vor der eigenen Haustür abgewiesen hat. Dass die Gräfin sogar vergaß, dass es sich dabei um ihre Nichten handelt, kann das junge Katzenduo nicht von seiner Gutmütigkeit abhalten. Und genauso findet die aus dem Traum erwachte Jugendliche doch noch wahre Freundinnen, die rechtzeitig vor der Rückkehr der Eltern die Party-Überreste beseitigen.

Nicht nur die Botschaft des Weihnachtsmärchens kommt an, sondern auch die kecken Sprüche, die bunten Kostüme und die tierischen Tänze. Dabei hatte die Generalprobe noch für einige Sorgenfalten gesorgt. "Aber es ist schon immer so gewesen, dass da noch nicht alles klappt", sagt Anja Kolditz. Selbst nach der ersten Aufführung am Samstag verdrehte sie noch leicht die Augen, doch kleine Abweichungen gegenüber dem Drehbuch blieben dem Publikum verborgen. Und das war meistens groß, einmal war die Vorführung sogar ausverkauft. Weitere vier Gelegenheiten bleiben noch, um Gräfin Koschka, Baron von Köckeritz und Co zu erleben. Am Samstag und am Sonntag geht's jeweils 14.30 und 16.30 Uhr los.

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