Bürgermeister kämpft gegen Rotlicht an der Bahnhofstraße

Beim Bau eines Bahnüberganges in Dittersdorf gibt es Ärger. Denn wenn künftig die Schranke schließt, sollen auch die Kraftfahrer auf der parallel zu den Gleisen verlaufenden Staatsstraße in Richtung Chemnitz warten.

Dittersdorf.

Wenn auf den Bahngleisen zwischen Chemnitz und Aue Ende nächsten Jahres die ersten Überland-Straßenbahnen rollen, dann sehen Kraftfahrer auf der Bahnhofstraße in Dittersdorf jede halbe Stunde Rot. Das befürchtet Amtsbergs Bürgermeister Sylvio Krause (CDU). Denn die DB Regio-Netz erneuert im Zuge der zweiten Ausbaustufe des Chemnitzer Modells auch den Übergang am Dittersdorfer Bahnhof. Wegen der geringen Entfernung zur Bahnhofstraße soll zu beiden Seiten der Einmündung eine Lichtzeichenanlage installiert werden, die kurz vor dem Schließen der Schranke auf Rot schaltet und den Verkehr stoppt.

Auf diese Weise will die Bahn verhindern, dass sich der von einer neben dem Bahnhof geplanten Park-and-Ride-Anlage auf die Staatsstraße abfließende Verkehr staut und im ungünstigen Fall ein Fahrzeug auf den Gleisen anhalten muss. Für Sylvio Krause ist das aber eine rein theoretische Annahme, die in der Praxis nie eintreffen wird. Seine Begründung: Reisende, die am Bahnhof aussteigen, können nicht wegfahren, da die Schranke wegen des Zuges, in dem sie angekommen sind, ja geschlossen ist. Zusteigende, die ihr Auto auf dem Parkplatz abstellen, müssten ohnehin rechtzeitig vor dem Schließen der Schranke da sein. Auch das Argument, wonach Wanderer, die den Parkplatz nutzen, ebenso gefahrlos den Übergang passieren können müssen, zieht bei Sylvio Krause nicht. Wanderer könnten heute schon ihr Fahrzeug entlang der Sackgasse abstellen, begründet er. Erfahrungsgemäß macht davon bislang kaum jemand Gebrauch.

Das alles sei dem Eisenbahn-Bundesamt nicht zu vermitteln, sagt Sylvio Krause und spricht von einer Schildbürgerei, die die Gemeinde leider zu spät erkannt habe. Amtsberg war im Planfeststellungsverfahren eingebunden, hatte im März 2017 und Februar 2018 Stellungnahmen abgegeben, den Bahnübergang darin aber nicht thematisiert. Die Baupläne seien sehr detailliert. Um darin Ampeln zu erkennen, wären Fachkenntnisse nötig, begründet der Ortschef das Versäumnis: "Zumal wir nie auf die Idee gekommen wären, dass die Bahnhofsstraße in die Planung der Schrankenanlage einbezogen wird."

Erst im Sommer wurde Andras Nagy aufmerksam, als an der Staatsstraße Vermessungsarbeiten stattfanden. Der Junior-Chef der gleichnamigen Fleischerei ist unmittelbar betroffen. Das Firmengelände befindet sich genau zwischen den geplanten Lichtzeichenanlagen. Eine neue Kundenzufahrt hat er inzwischen außerhalb des Ampelbereichs angelegt, die Liefereinfahrt befindet sich mittendrin.

Für den Bau von Bahnübergängen gibt es ein Regelwerk. Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) definiert Anforderungen, die es zur Gewährleistung der Sicherheit im Eisenbahnbetrieb einzuhalten gilt. "Einzelheiten und weitergehende Maßnahmen muss das verantwortliche Infrastrukturunternehmen im Einzelfall unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten festlegen", erklärt Moritz Huckebrink vom Eisenbahn-Bundesamt auf Anfrage von "Freie Presse". Die in Bonn ansässige Behörde ist dafür zuständig, dass Gesetze und Regelwerke beim Bau von Eisenbahnanlagen eingehalten werden. Auf Wunsch der Gemeinde überarbeite die DB Regio-Netz zurzeit die Einschaltzeiten, um die Einfahrt in die Fleischerei zu ermöglichen, so Huckebrink. Für die Ausfahrt werde der Bau eines zusätzlich vorgeschalteten Lichtzeichens geprüft. Sylvio Krause, der in Kontakt mit der Behörde steht, spricht von eine Rotphase von 45 Sekunden. Wenig Hoffnung hat er, die Ampelanlage an der Staatsstraße noch verhindern zu können. Die Gesetze ließen dafür keinen Ermessensspielraum, beklagt er. "Auch uns ist Sicherheit wichtig und sollte bei Neubauten berücksichtigt werden. Hier aber wird jedes Maß überschritten. Der fließende Verkehr einer Staatsstraße wird bei jedem einfahrenden Zug für uns unnötig zum Stehen gebracht", sagt er.


Der Streckenausbau hat begonnen

Für die Bahnstrecke des Chemnitzer Modells ins Erzgebirge sind unter anderem Brücken und Übergänge zu erneuern. Der Ausbau erfolgt zudem zweigleisig. Zum Jahresende 2020 sollen dann Bahnen halbstündlich von Chemnitz nach Thalheim und stündlich nach Aue fahren.

Seit der zweiten Oktoberwoche ist die Baustelle entlang der Gleisanlage parallel zur Bahnhofstraße in Dittersdorf sichtbar. Die alten Schienen sind inzwischen auf einer Länge von mehreren hundert Metern entfernt worden. Ursprünglich sollte der Ausbau der Bahnstrecke in diesem Jahr fertig werden. (mik)

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