Busse bleiben im Depot - Fahrgäste warten vergeblich

Innerhalb von vier Wochen haben Mitarbeiter des Regionalverkehrs Erzgebirge zum dritten Mal gestreikt. Kommt es zu keiner Einigung im Tarifstreit, droht ein unbefristeter Ausstand.

Zschopau/Marienberg.

Erzgebirger haben am gestrigen Mittwoch meistens vergeblich an Haltestellen auf ihren Bus gewartet. Denn die Fahrzeuge des Regionalverkehrs Erzgebirge (RVE) sind im Depot geblieben. Grund war ein 24-stündiger Warnstreik. Auch der Schülerverkehr blieb davon nicht verschont. Lediglich Sub-Unternehmen haben noch Schüler befördert, alle anderen Linien sind ausgefallen, sagte Stefanie Uhlig von der RVE. In Zschopau beteiligten sich annähernd 100 Fahrer, Monteure und Verwaltungsangestellte an der Aktion. Sie trugen Leibchen mit der Aufschrift "Wir sind es wert".

Warum wurde gestreikt? Es geht um eine bessere Bezahlung der Arbeitnehmer. Konkret wird ein Stundenlohn von 15,66 Euro für Facharbeiter gefordert. Aktuell werden 12,30 Euro gezahlt. "Wir fahren bei Wind und Wetter und haben eine große Verantwortung für die Sicherheit unserer Fahrgäste", sagte Roberto Claußner. Er arbeitet bei RVE und ist einer der Streikenden, die vor dem Annaberger Betriebshof auf ihre Forderungen aufmerksam machten. Er erklärt, dass seine Kollegen in Sachsen-Anhalt schon auf dem gewünschten Lohnniveau sind. Ein Zeichen dafür, dass es geht. "Wir sind es einfach wert", sagte Claußner. Steigen die Löhne nicht, werde es in Zukunft immer schwerer werden, gutes Personal zu finden. Für das Geld sei kaum noch jemand bereit, auch an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten. Auch geht es um einer bessere Vergütung sogenannter geteilter Dienste. "Wenn ich früh eine Tour fahre und die nächste ist ein paar Stunden später, bekomme ich die Leerzeit nicht bezahlt. Nach Hause zu gehen, lohnt sich nicht. Also warte ich und bekomme diese Zeit nicht bezahlt", sagte Busfahrerin Marina Arsenic, die vor dem Zschopauer Betriebsgelände streikte.


Es ist nicht das erste Mal, dass in den vergangenen Wochen Schüler nicht oder zumindest zu spät zur Schule kamen. Schon am 10. April, als die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zum Warnstreik aufrief, waren Schüler betroffen. Obwohl RVE-Mitarbeiter auch am 25. April ihre Arbeit für 24 Stunden niederlegten, blieb das an diesem Tag für den Schülerverkehr ohne Folgen - es waren Ferien. (mit dit/mik)


Kommentar: Lenkt ein!

Sind 12,30 Euro zu wenig Stundenlohn für einen Busfahrer? Eindeutig ja. Warum? Weil auf den Schultern der Frauen und Männer hinter dem Lenkrad der tonnenschweren Fahrzeuge eine enorme Verantwortung lastet. Sie sind es, die Kinder jeden Wochentag sicher zur Schule und wieder nach Hause befördern müssen. Sie sind es, die älteren Menschen ohne Führerschein die so wichtige Mobilität im ländlichen Raum ermöglichen. Das erfordert nicht nur eine Ausbildung, sondern höchste Konzentration - jeden Tag, zu jeder Stunde. Diese Verantwortung muss entsprechend entlohnt werden. Deshalb sollten die Arbeitgeber im Öffentlichen Personennahverkehr Sachsens in der Verhandlungsrunde einlenken und die geforderten 15,66 Euro zahlen. Das ist es wert, dass Menschen sicher befördert werden. Doch dieses Bewusstsein müssen auch Fahrgäste entwickeln. Schließlich werden folglich wohl auch sie höhere Fahrpreise in Kauf nehmen müssen.

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