Carlsfelder Bandoneonspieler reisen im Januar nach Brasilien

In Pomerode freut man sich auf den Besuch aus Deutschland. Dort weiß man genau, wo die Wiege des Bandoneons steht.

Carlsfeld.

Schweinshaxen, Dirndl und deutsche Volksmusik in Südamerika? Wer denkt, dass das überhaupt nicht zusammengeht, der täuscht sich. Denn es gibt im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina eine Stadt, die im Jahr 1863 von pommerschen Siedlern gegründet wurde, wo eben deutsche Traditionen gepflegt werden. Pomerode ist eine Kleinstadt mit etwa 27.772 Einwohnern und das Ziel von 24 Carlsfeldern, die vom 16. bis 22. Januar dort zu Gast sein werden. Es sind Mitglieder der Jugendgruppe des Bandoneonvereins Carlsfeld und ihre erwachsenen Begleiter. Sie wurden von der dortigen Kulturbehörde zum 4. Treffen der Bandoneonspieler in Pomerode eingeladen.

"In den vergangenen Jahren waren öfter mal Brasilianer bei uns in der Werkstatt, die sich für Bandoneons interessierten oder ihre Instrumente bei uns reparieren lassen wollten", erzählt Robert Wallschläger, Vorsitzender des Carlsfelder Bandoneonvereins. Denn Bandoneon wird auch im südamerikanischen Pomerode gespielt.

Die Idee, dass Erzgebirger dort hinfahren könnten, sei bei einem letzten Treffen zustande gekommen, als Ivan Lorenz, der bei Bosch in Pomerode arbeitet, während einer betrieblichen Austauschreise nach Deutschland auch in Carlsfeld vorbeischaute. Das war im August 2018. Lorenz erzählte vom Festival "Las vidas del Bandoneon", das in Pomerode stattfindet. Robert Wallschläger hatte vorgeschlagen, mit Bandoneonspielern aus Carlsfeld dahin zu kommen.

Den Carlsfeldern steht eine 20-stündige Reise von Prag über Amsterdam nach Rio des Janeiro und schließlich Florianopolis bevor. Von dort werden sie mit einem Bus der Stadt Pomerode abgeholt. Den Flug muss jeder der Reiseteilnehmer selbst finanziell bestreiten, Unterkunft in Gastfamilien und Versorgung übernehmen die brasilianischen Gastgeber. "Wir werden drei Auftritte haben und beim Umzug am 19. Januar zum Festival dabei sein", blickt Wallschläger voraus. Ausdrücklich gewünscht wurde von den Brasilianern, dass die Gäste aus dem Erzgebirge deutsche Volksmusik und erzgebirgische Folklore spielen. "Wir haben Märsche, Polkas und Walzer im Repertoire, auch Eigenkompositionen. Als echte Deutsche sind wir das Highlight des Umzugs", ist sich der Carlsfelder sicher.

Er geht davon aus, dass es auch nach dem Besuch in Pomerode eine Partnerschaft auf der Ebene der Bandoneonmusik geben wird. "Ich denke, es wird einen Gegenbesuch aus Brasilien geben." Ebenso möglich ist eine Städtepartnerschaft zwischen Eibenstock und Pomerode, denn Eibenstocks Bürgermeister Uwe Staab (CDU) wurde offiziell von Pomerodes Oberbürgermeister zur Besuchsreise im Januar mit eingeladen.

Manuel Düpsch, der aus Cottbus stammt und in Pomerode lebt, ist der Ansprechpartner für die Carlsfelder vor Ort. "Alle hier sind schon Feuer und Flamme", sagt er in einem Telefongespräch vorab. "Hier ist bekannt, dass die Bandoneons in Carlsfeld hergestellt wurden und werden. Wir freuen uns sehr auf den Besuch aus Deutschland."

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