Chorprojekt in Borstendorf kommt gut an

Mehr als 60 Sängerinnen und Sänger haben sich bei der ersten Probe zusammengefunden. Alles dreht sich rund ums Thema "Lieblingslied".

Borstendorf.

Die Plakate sind nicht zu übersehen gewesen: In roter Schrift waren Frage und Aufforderung abgedruckt: "Lust am Singen? Mach mit!" Und klein darunter war zu lesen: "Chorprojekt Liedblingslied." Die Abstimmung darüber fand sowohl mit Füßen als auch Stimmen statt: Mehr als 60 Sängerinnen und Sänger kamen am Freitag zum Start des Chorprojekts in die alte Borstendorfer Schule.

"Mit so vielen hatte ich nicht gerechnet, das ist toll", sagte Nicole Dähne, als immer mehr Stühle in den großen Klassenraum hineingestellt wurden. Sie leitet den Volkschor Borstendorf, den Männerchor, den Jugendchor Chorioso und den Männerchor Reifland. Die Liebe zum Chorgesang bekam sie im Zschopauer Gymnasium von Musiklehrer Karl Melzer vermittelt. Die 37-Jährige arbeitet als Musiklehrerin an einem Chemnitzer Gymnasium und ist leidenschaftliche Chorleiterin.

Davon konnten sich die Sängerinnen und Sänger in Borstendorf überzeugen, von denen einige auch dem Jugendchor Chorioso entstammen. Viele ältere Sängerinnen und Sänger haben dem Volkschor angehört. Nun also hat Nicole Dähne das Chorprojekt "Lieblingslied" aus der Taufe gehoben. "Das mit dem Lieblingslied bitte nicht allzu wörtlich nehmen. Ich gebe eine Liste vor, und daraus können Lieder gewählt werden", sagte Nicole Dähne. Das Kunstlied "Adiemus" wurde bei der ersten Probe gesungen und ist schon gesetzt, auch bei "Hit the road Jack" gab es viele Kreuze.

"Ich denke, dass diese Art des Chors, der Projektchor, ganz gut ankommt. Die Probenzeit ist genau definiert, und es ist auch das Ziel vorgegeben", erläuterte die Chorleiterin. Die Altersspanne der Sängerinnen und Sänger war beim ersten Treffen groß, sie reichte von zehnjährigen Mädchen bis zu Jutta Matthes, der "Alterspräsidentin". "An die Zeit, die wir als Volkschor unter Franz Peter Müller-Sybel hatten, erinnere ich mich gern zurück", sagte die 84-Jährige.

Am 9. Mai soll das Projekt beendet sein, dann ist ein Abschlusskonzert im Lindenhof Leubsdorf geplant. Bis dahin stehen jeden Freitag, 19 Uhr, Proben in der Borstendorfer Schule an. Das Teilnehmerfeld ist nicht festgezurrt, es können noch Sangesfreudige mitmachen. Besonders die Männerstimmen, sagte Nicole Dähne, könnten noch Unterstützung gebrauchen.


Richtig aufgeregt

Heinz Wolfs Ehefrau Christine musste ihn vor der ersten Probe des neuen Chorprojekts beruhigen. "Ich war richtig aufgeregt, komisch, dass mir das in meinem Alter passiert", wundert sich der Borstendorfer. Als er aber zur alten Schule kam und die vielen geparkten Autos sah, freute er sich. "Ich hatte gehofft, dass einige Sängerinnen und Sänger kommen, aber mit so vielen hatte ich nicht gerechnet", erzählt der 76-Jährige. Seit 1989 ist er Mitglied des Borstendorfer Ensembles, das auch schon unter dem ehemaligen Leiter Franz Peter Müller-Sybel mit einem typischen Problem zu kämpfen hatte. "Wir haben einfach zu wenige Männer. Das ist jammerschade, denn mit Gleichgesinnten in einem Chor zu singen, ist doch etwas Herrliches." Heinz Wolf verstärkt mit seinem Bass den Kirchenchor, für ihn habe, als er von dem Projekt erfahren hatte, fest gestanden, wo er ab März die Freitagabende verbringen wird. "Das ist mir eine Herzensangelegenheit. Singen bedeutet Freude." (dit)


Gut im Training

Gert Bender aus Borstendorf ist aktiver Schnitzer und singt im Kirchenchor. Jetzt mischt er beim Chorprojekt mit. "Als ich davon gehört habe, war klar, dass ich einfach dabei sein muss", sagt der 53-Jährige. Er singt seit knapp 30 Jahren im Kirchenchor und hatte auch Berührungen zum Volkschor. "Das Weihnachtskonzert gestalten wir zusammen. Es macht mehr Spaß, gemeinsam zu singen, als beispielsweise allein unter der Dusche. Das scheint zwar ganz gut zu klingen, aber im Chor ist das etwas ganz anderes." Als er im Kirchenchor begonnen hatte, musste er erst wieder die Stimmbänder trainieren. "Die werden träge, das merke ich schon nach dem Sommerurlaub", sagt der Borstendorfer. Durch das regelmäßige Singen im Kirchenchor ist seine Stimme gut im Training. Auch das neue Repertoire, das Chorleiterin Nicole Dähne vorgegeben hatte, findet er gut: "Wir werden nicht alle Stücke auf der Liste singen können. Aber es sind schöne Titel dabei, auf die ich mich freue." (dit)


Ziel: Freude bereiten

Angelika Schmieder wohnt in Reifland, doch die Nähe zu Borstendorf ist nicht der Grund, weshalb sie beim neuen Chorprojekt mit von der Partie ist. "Ich singe unheimlich gern, unter anderem auch beim Jugendchor Chorioso, der eigentlich kein Jugendchor mehr ist", erzählt die 37-Jährige. "Singen bereitet mir Freude und ich kann, zusammen mit dem Chor, anderen Freude bereiten", sagt die Reifländerin, die mit Ehemann Thomas um die Probenzeiten ringen muss. "Wir haben zwei kleine Kinder, da muss einer von uns immer daheim sein. Wir wechseln uns wöchentlich ab, das wird schon klappen." Einige Sängerinnen kannte sie von Chorioso, und auch fremde Gesichter hatte sie bei der Probe erblickt. "Ganz überrascht war ich, dass so viele gekommen waren. Das zeigt, dass der Bedarf da ist, gemeinsam so etwas Schönes zu machen wie Singen." Fest stehe, dass sowohl sie als auch ihr Mann beim Abschlusskonzert dabei sein werden: "Da müssen wohl die Großeltern die Kinder hüten." (dit)


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