DDR-Museum im Schloss Pfaffroda wird aufgelöst

Die neuen Besitzer wollen die Museumsräume anderweitig nutzen. Tausende Exponate werden derzeit verkauft und zurückgegeben. Einiges könnte auch im Müll landen.

Pfaffroda.

Tausende Alltagsgegenstände aus der DDR liegen in Regalen, sind auf dem Boden abgestellt und in Kisten verstaut: bunte Lockenwickler, ein Taschenrechner mit Stromkabel und Stecker, ein Rasenmäher, Geschirr, Brettspiele, Schulmalfarben, Rasierer und und und. Viele Exponate wechseln derzeit die Besitzer, denn die Tage der umfangreichen Sammlung sind gezählt. Für das DDR-Museum gibt es im Schloss Pfaffroda keinen Platz mehr.

"Die Sammlung passt nicht zu unserem Konzept", betont Joachim Diener von Schönberg. Gemeinsam mit seinem Bruder Alexander will er im Schloss eine Akademie für private Forstleute einrichten. Mitte 2017 hatten die Beiden das Ensemble für 60.ooo Euro erworben. Nun wollen sie eine Summe im siebenstelligen Bereich investieren. Für 2021 ist die Eröffnung vorgesehen. Der Dachboden, auf dem ein Großteil der DDR-Alltagsgegenstände gezeigt wurde, soll in einen Veranstaltungssaal umgebaut werden.

Seit Tagen wechseln Ausstellungsstücke die Besitzer. So sah sich unter anderem Jürgen Frei in den Räumen um. Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlern wie Werner Kahnt suchte er nach Stücken, die im Saydaer Heimatmuseum gezeigt werden könnten. Dort gibt es schon eine Sammlung, die einige DDR-Exponate umfasst. Besonders von den alten Kameras zeigte sich Frei angetan. Auf andere Stücke hatte es Kai Müller aus Wernsdorf abgesehen, darunter ein Wartburg. Sowie: das Schrankbad. Im Schrank ist eine Wanne verstaut, sie lässt sich ausklappen und nutzen. "Ich möchte sie für meinen Garten", sagte Kai Müller.

Auch ein Flohmarkt fand statt. Die Einnahmen kommen dem Schlossverein sowie einem guten Zweck zugute. Darüber hinaus holen Leihgeber ihre Stücke ab. Laut René Uhlig von den Sozialbetrieben Mittleres Erzgebirge, dem kommunalen Unternehmen gehörte einst das Schloss, ist die Sammlung schon auf die Hälfte geschrumpft. Bis Jahresende sollen die Räume leer sein. Was keine Abnehmer finde, müsse wohl letzten Endes weggeworfen werden.

Reiner Lippmann vom Schlossverein findet es traurig, dass die Sammlung aufgelöst wird. Zugleich betont er: "Die Zeiten ändern sich eben. Man muss das akzeptieren." Jürgen Hänel, Lengefelder Ortschronist und Träger des Bundesverdienstkreuzes, habe zu Lebzeiten ab 1998 das Museum maßgeblich mit aufgebaut. Auch seinetwegen hätte sich Lippmann gewünscht, dass es an anderer Stelle weitergeführt wird. "Ich habe mich intensiv um eine Lösung bemüht." Unter anderem sprach er bei Olbernhauer Stadträten vor. Ohne Erfolg. Es sei kein anderer Standort mit genügend Platz gefunden worden. Anders sieht es bei der Ausstellung zur Geschichte des Schlosses und der Region aus. Sie wird neu aufbereitet und auch künftig im Schloss gezeigt.

Reiner Lippmann hat sich selbst ein paar Erinnerungsstücke aus der Sammlung genommen und ebenfalls Geld gegeben. Welches soziale Projekt finanziell unterstützt wird, ist noch nicht bekannt. Dies könnte zum Weihnachtsmarkt verraten werden, der wieder im Schloss stattfinden soll, so René Uhlig. Für eines der Exponate konnte auch er sich bislang nicht erwärmen. Ein großes Glas saure Gurken. Natürlich ebenfalls aus Zeiten der DDR und damit locker 30 Jahre alt.

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